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Das Testzentrum liefert Ergebnisse

News aus der Weinwelt

Ich mag es sehr, dass sich die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) ein “Testzentrum Lebensmittel” leistet. Vor meinem geistigen Auge sehe ich MĂ€nner in weißen Kitteln, wie sie im Windkanal kontrolliert Weinflaschen entkorken. Dabei haben sie sicher bedeutend weniger Spaß.

4.500 Weine und Sekte wurden fĂŒr die DLG-BundesweinprĂ€mierung getestet – und damit schon mal deutlich weniger als die beiden fĂŒhrenden deutschen Weinguides “Gault&Millau” sowie “Eichelmann” unter die Lupe nehmen. Bevor einer fragt: ja, ich bin fĂŒr ersteren tĂ€tig. Also alles hier besser mit Bedacht lesen. Bei der BundesweinprĂ€mierung fehlen nicht nur einige, sondern die meisten Spitzenbetriebe. Es sind zumeist die dritte und vierte Reihe, die hier anstellen. Insgesamt rund 300 Betriebe in diesem Jahr. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse ernst zu nehmen, denn manche Entdeckung lĂ€sst sich bei den PreistrĂ€gern machen. Allerdings muss man dafĂŒr schon ganz nach oben schauen, denn darunter wird es inflationĂ€r. Die DLG vergab 62 Gold Extra-, 758 Gold-, 1651 Silber- und 975 Bronze-Medaillen. Also stolze 3.446 ausgezeichnete Weine. Anders ausgedrĂŒckt: nur rund 1.000 haben keine Medaille bekommen. Das ist doch mal ein ordentlicher Schnitt!

Mit 17 Auszeichnungen stellt die Pfalz in diesem Jahr die meisten Weine und Sekte, die mit dem “Goldenen DLG-Preis extra” prĂ€miert wurden. Es folgen WĂŒrttemberg mit zwölf sowie Rheinhessen und Baden mit je elf. Die meisten Auszeichnungen in Gold, Silber und Bronze erzielten mit 955 PrĂ€mierungen die Winzer aus der Pfalz, gefolgt von Baden (617), WĂŒrttemberg (584) sowie Rheinhessen (481). Die genauen Testergebnisse sind im Internet unter www.DLG-Verbraucher.info veröffentlicht.

Hier die Sieger der einzelnen Kategorien:

Beste Kollektion „Weißwein trocken“
Ökonomierat Johann Geil I. Erben, Bechtheim (Rheinhessen)

Beste Kollektion „Weißwein fruchtig“
Weingut Fleischmann, Gau-Algesheim (Rheinhessen)

Beste Kollektion „Rotwein trocken“
Weingut Leopold SchÀtzle, Endingen (Baden)

Beste Kollektion „Barrique trocken“
Weingut Bergdolt-Reif & Nett, Duttweiler (Pfalz)

Beste Kollektion „EdelsĂŒĂŸâ€œ
Vier Jahreszeiten Winzer eG, Bad DĂŒrkheim (Pfalz)

Beste Kollektion „Sekt brut bis extra brut“
Sektgut St. Laurentius Klaus Herres, Leiwen (Mosel)

Beste Kollektion „Sekt halbtrocken bis mild“
Winzergenossenschaft Edenkoben eG (Pfalz)

Bestes Riesling-Sortiment
BĂ€renhof, Helmut BĂ€hr & Sohn, Bad DĂŒrkheim (Pfalz)

13.10.2014 um 0:01, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Dornröschen am Kaiserstuhl

News aus der Weinwelt
Weingut Abril

Sie heißt Weinhefe 1895, in der Schweiz auch Dornröschen-Hefe genannt. GeschĂ€ftsfĂŒhrer Armin SĂŒtterlin verwendet sie im Weingut Abril (Bischoffingen), dem grĂ¶ĂŸten Öko-Betrieb am Kaiserstuhl. Es ist eine Hefe mit Vorgeschichte.

Sie wurde im Jahr 2008 in der Schweiz bei einer Verkostung alter WeinjahrgĂ€nge entdeckt – und zwar in einer Flasche aus dem Jahrgang 1895. Darin stießen Weinexperten um JĂŒrg Gafner von der Forschungsanstalt Agroscope-Changins WĂ€denswil auf drei Zellen (!) der Hefe Saccharomyces cerevisiae, die ĂŒberlebt hatten. Dass sie 113 Jahre ĂŒberleben konnten liegt an ihren VergĂ€rungseigenschaften: grundsĂ€tzlich verarbeiten herkömmliche Weinhefen bei der alkoholischen VergĂ€rung die im Saft fast zu gleichen Teilen vorhandenen Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose). Ist die Glucose vollstĂ€ndig vergoren, kann ein eventueller Fructose-Rest nicht mehr umgesetzt werden. Es entsteht eine GĂ€rstockung. Deswegen gelten diese Hefesorten als glucophil.

Mit diesen GĂ€reigenschaften hĂ€tte die Dornröschen-Hefe nicht ĂŒberleben können. Sie hat ihren Stoffwechsel in der Flasche umgestellt und offensichtlich die dort vorhandene Fructose ohne das Vorhandensein von Glucose verarbeitet. Deswegen ist sie nach ihrer Entdeckung zunĂ€chst auch als Reparaturhefe bei GĂ€rstockungen eingesetzt worden. Zur GĂ€rstockung kommt es immer dann, wenn sich das ZuckerverhĂ€ltnis so stark von der Glucose zur Fructose verschiebt, dass der Prozess der GĂ€rung zum Stillstand kommt und damit Weine mit einer unerwĂŒnschten RestsĂŒĂŸe entstehen. Mit den fructophilen Eigenschaften dieser Hefe lĂ€sst sich die GĂ€rung aber wieder in Gang bringen.

Nach vier Jahren Arbeit mit der Weinhefe 1895 ist SĂŒtterlin jedoch ĂŒberzeugt, dass die Eigenschaften dieser Hefe weit ĂŒber den Charakter einer Reparaturhefe hinausgehen. Rund 90 Prozent der Burgundersorten des Jahrgangs 2013 mit dieser Hefe vergoren worden. „Mit der Weinhefe 1895 lassen sich sehr authentische Weine mit einer klaren Linie und den typischen Aromen der jeweiligen Sorte erzeugen“, meint Armin SĂŒtterlin.

Muss ich probieren. Auf jeden Fall: spannende Kiste mit der Dornröschen-Hefe. Dabei steh ich nicht auf MÀrchen.

(Bildnachweis: Das Weingut Abril am Fuße des Enselberg in Vogtsburg-Bischoffingen; (c) Susanne Sommerfeld)

12.10.2014 um 0:37, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Piper-Heidsieck zum Ankreuzen

News aus der Weinwelt
Piper-Heidsieck_Hauptsitz_Reims

Man muss es einfach sagen: der 2008 vom französischen Designer Jacques Ferrier entworfene Firmensitz des Champagnerhauses Piper-Heidsieck ist ein echter Hingucker. Leider sind es die neuen Geschenkverpackungen nicht – dabei ist ihr Design von diesem inspiriert.

Piper-Heidsieck_Geschenkverpackungen

„Ein selbstbewusstes, modernes und helles GebĂ€ude, offen eingebunden in die Landschaft und umgeben von einem luftigen Metallnetz, das an die aufsteigende Perlage im Champagnerglas erinnert“, so beschreibt Ferrier sein Werk vor den Toren von Reims. Unter anderem hat er den französischen Pavillon auf der Weltausstellung 2010 in Shanghai entworfen.

Seit Anfang Oktober hĂŒllt Piper-Heidsieck seine Brut, RosĂ© Sauvage und CuvĂ©e Sublime Champagner in die neuen Geschenkverpackungen, die edel und zeitgemĂ€ĂŸ sein sollen. Sehen aber eher aus wie ein farbiger Multiple Choice Test. Oder Wolkenkratzer bei Nacht. Vielleicht soll es dazu animieren den Champagner möglichst schnell auszupacken und zu trinken? Dann wĂŒrde ich sagen: Chapeau, Piper-Heidsieck!

11.10.2014 um 0:16, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Weniger WeingĂŒter, dafĂŒr grĂ¶ĂŸer

News aus der Weinwelt

Achtung, jetzt kommen ein paar Zahlen! Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) mitteilt, hat sich die Zahl der RebflĂ€chen bewirtschaftenden Betriebe zwischen 2003 und 2013 von 29.200 auf 18.700 verringert. Die GesamtrebflĂ€che von rund 100.000 ha hat sich in diesem Zeitraum nicht verĂ€ndert. Anders ausgedrĂŒckt: Aufgrund eines anhaltenden Strukturwandels setzt sich der Konzentrationsprozess im deutschen Weinbau unvermindert fort.

Dieser Konzentrationsprozess ist nahezu ausschließlich darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass Betriebe mit weniger als einem Hektar RebflĂ€che ihre Weinberge an andere Trauben- oder Fassweinerzeuger beziehungsweise selbstvermarktende WeingĂŒter abgegeben haben. Deshalb ist in dem Zehnjahreszeitraum der Anteil von WeingĂŒtern mit mehr als fĂŒnf Hektar Rebland auch von 20 auf 32 Prozent angestiegen und der der Kleinstbetriebe von 43 auf 27 Prozent gesunken (Genossenschaften selbst sind in dieser Statistik ĂŒbrigens nicht berĂŒcksichtigt).

DWI-GeschĂ€fsfĂŒhrerin Monika Reule interpretiert die Zahlen so: „Angesichts des wachsenden Wettbewerbdrucks mĂŒssen viele WeingĂŒter aus betriebswirtschaftlichen GrĂŒnden wachsen, insbesondere wenn junge Betriebsnachfolger mit in das Unternehmen einsteigen und Investitionen beispielsweise in moderne Vinotheken oder Kellertechnik getĂ€tigt werden“. Verbandsvertreter neigen dazu Entwicklungen in ihrem Bereich positiv zu sehen (wenn sie nicht Alarm schlagen), deshalb sagt die DWI-Chefin auch, diese Entwicklung gehe mit einer Professionalisierung der Weinbranche einher. Ich persönlich finde es schade, dass es sich fĂŒr so viele Kleinstbetriebe nicht mehr lohnt.

Die Gruppe der ĂŒber fĂŒnf Hektar großen WeingĂŒter bewirtschaftet mittlerweile rund drei Viertel der gesamtdeutschen RebflĂ€che und hat eine durchschnittliche BetriebsgrĂ¶ĂŸe von 12,9 Hektar.

In der Struktur der Betriebe mit einem bis fĂŒnf Hektar RebflĂ€che hat sich in den vergangenen zehn Jahren keine grĂ¶ĂŸere VerĂ€nderung ergeben. Auf diese Betriebsgruppe entfallen zusammen genommen stattliche 40 Prozent der hierzulande bewirtschafteten Weinberge. Hierunter ist natĂŒrlich eine Großzahl Genossenschaftswinzer und Faßweinerzeuger. Hier gibt es die Daten als PDF-Grafik.

10.10.2014 um 0:25, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Prinzessin Lillifee trinkt jetzt Rosé

News aus der Weinwelt
Jolie Carton

Wein in einer Tasche? Ist doch naheliegend. Die Frage ist eigentlich nur: Warum erst jetzt? Der Name dieser “Innovation”: Jolie Carton. Witzig. Laut PR-Text: “Der perfekte Begleiter beim Ausgehen und auch als Geschenk unter Freundinnen der absolute Hingucker.” Der absolute Hingucker unter Frauen? Aber da passt doch gar nix rein!

Aber ich bin auch keine Frau und damit nicht Zielpublikum. Jolie Carton besteht aus einem 1,5 l Weinschlauch mit integriertem Zapfhahn, sprich: Bag-in-Box. Drin ist ein “Wunderbar geschmeidiger Rose mit harmonischer RestsĂŒĂŸe und Duft von roten Beeren” mit 10 Umdrehungen aus der Pfalz (Bobenheim, Mittelhardt), Jahrgang 2013, Rebsorte Portugieser, halbtrocken. Seit August gibt es diesen, fĂŒr den Herbst ist die EinfĂŒhrung der Weiß- und Rotweinvarianten Jolie Carton Blanc und Rouge geplant – die “Taschen” entsprechend farblich abgestimmt. Dahinter stecken “Die SpĂŒrnasen” und bei diesen gibt es den Weinschlauch in Taschenform auch (sowie bei FachhĂ€ndlern).

FĂŒr MĂ€nner sollte man das Ganze dann vielleicht in Form von Tomahawk-Steaks machen.

09.10.2014 um 0:06, Aus dem Leben eines Weingeniessers, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Über den Wolken…

News aus der Weinwelt
La Barrique Weintrolley

…muss der Weingenuss himmlisch sein. Oder so. Oder eher nicht. Ich denke beim Fliegen an Tomatensaft, der Kölner Peter Jorge Fischer denkt an Möbel. Und jetzt hat er auch noch an Wein gedacht. Der Mann verwandelt Flugzeuginventar nĂ€mlich in MöbelstĂŒcke.

Fischers Firma heißt Skypak und sein aus einem Flugzeugtrolley gebauter Weintrolley “La Barrique”. Sie sind nĂ€mlich mit Barriqueholz aus alten EichenfĂ€ssern ummantelt, in denen einst Weine reiften. Wer genau hinschaut, findet wohl mehr ĂŒber die Herkunft der verwendeten Hölzer heraus. Logos von bekannten europĂ€ischen WeingĂŒtern sollen zu finden sein. Der Umbau ist natĂŒrlich Handarbeit, die StĂŒckzahl wird ĂŒberschaubar bzw. limitiert sein. Die “La Barrique” Weintrolleys sind mit vier Barrique-Regalböden ausgestattet und wiegen gut 20 Kilo. Sie können mit bis zu 30 Kilo “Fracht” beladen werden, die TĂŒr lĂ€sst sich bis zu 270 Grad schwenken. ErhĂ€ltlich sind sie fĂŒr 1.980 €. FĂŒr Whiskyliebhaber gibt es die Trolley auch in einer Ausfertigung aus WhiskyfĂ€ssern.

Ich freue mich immer sehr, ĂŒber Dinge, in die ich Wein gießen, oder in denen ich Weinflaschen lagern kann. Noch mehr freue ich mich eigentlich nur ĂŒber Wein selbst. FĂŒr 1.980 € kaufe ich mir dann halt doch lieber Wein. Aber vielleicht fehlt mir auch nur das passende Loft fĂŒr diesen Trolley. Und das passende Kleingeld. WĂ€re ich Chefpilot, wĂŒrde der Weintrolley aber sicher auf meinem Wunschzettel fĂŒr den Weihnachtsmann stehen.

28.07.2014 um 2:08, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Ja, is’ denn heut’ scho’ Weihnachten? – Der Jungwinzerinnen-Kalender

News aus der Weinwelt
Jungwinzerinnenkalender

Keine Meldung auf die ich mich lÀnger und intensiver freue, als auf diese: der österreichische Jungwinzerinnenkalender ist wieder da!

FĂŒr die 12. Auflage des Projektes Jhaben es wiederum zwölf WeingĂŒter (drei aus dem Burgenland, sechs aus Niederösterreich, zwei aus der Steiermark und ein Wiener Weingut) in den Kalender geschafft. Dieser soll, erklĂ€rt Dr. Ellen LedermĂŒller-Reiner, Herausgeberin des Jungwinzerinnen Kalenders, „österreichische Betriebe einem breiten Publikum bekannt machen und möchte auf moderne, sympathische Weise das Vermarkten der gehaltvollen Weine unterstĂŒtzen.“ 4000 Exemplare werden gedruckt und sind ab Anfang September fĂŒr 25 € bei e.ledermueller@aon.at erhĂ€ltlich.

Folgende Winzermodels zieren den Jungwinzerinnen Kalender 2015:

Monika Mörwald f. Weingut Mörwald (Feuersbrunn/NÖ), Veronika Schafler f. Weingut Schaflerhof (Traiskirchen/NÖ), Caroline f. Weingut Hagn (Mailberg/NÖ), Angelika f. Weingut Nekham (Paasdorf/NÖ), Marion Kreuzhuber f. Weingut Kreuzhuber (Hadersdorf/NÖ), Corinna f. Weingut Moser (Rohrendorf/NÖ), Alexandra f. Weingut Reichl (Wien), Victoria Gmeiner f. Weingut Gmeiner (Purbach/Bgld.), Jaqueline f. Weingut Haider (Apetlon/Bgld.), Carina f. Weingut Steindorfer (Apetlon/Bgld.), Theresa Cramer f. Weingut Albert/Cramer (Kitzeck/Stmk.), Veronika f. Weingut Schirnhofer (Hartberg/Stmk.)

Die Kalender der letzten Jahre finden Sie auf: www.e-ledermueller.com.

Übrigens: Fesche (sic!) Winzerinnen zwischen 17 und 27 Jahren können sich als Model fĂŒr den „Jungwinzerinnen Kalender“ 2016 unter e.ledermueller@aon.at mit einem aussagekrĂ€ftigen Bild (Ganzkörperfoto) normal bekleidet bewerben.

Schön finde ich, dass in der Pressemitteilung stĂ€ndig von einem Jugendprojekt die Rede ist. Das klingt fĂŒr mich nach einem Dammbauprojekt fĂŒr Biber, nicht aber nach Winzerinnen in Dessous. HĂ€tte ich gewusst, was sich hinter Jugendprojekten wirklic verbirgt, hĂ€tte ich mich als Jugendlicher sicher mehr engegiert. Aber sowas sagt einem natĂŒrlich keiner.

27.07.2014 um 1:50, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Lagerfeld will nicht wie ein Vollidiot wirken

News aus der Weinwelt

Karl Lagerfeld, man muss ihn einfach lieben. Ein gleichermaßen authentisches wie verstrahltes Unikum. Ich habe darauf gewartet, dass er etwas zum Thema Wein sagt. Etwas grundlegendes, etwas radikales. Nun war es endlich soweit und zwar in der “La Revue du Vin de France”.

“Manchmal beobachte ich Leute bei Tisch, die ihr Glas hin- und herdrehen, fĂŒnfzehn Mal daran schnuppern, sich so wahnsinnig wichtig geben. Solchen Leuten gegenĂŒber wirkt man wie ein Vollidiot.”

Karl Lagerfeld fordert deshalb ein Ende des Firlefanzes. VerstĂ€ndlich, schließlich kann die Welt nicht wollen, dass er wie ein Vollidiot wirkt. Wein ist zudem nicht dazu gemacht, um daran zu schnuppern. Sein Duft ist nur ein Nebeneffekt. Eigentlich geht es nur darum besoffen zu werden.
Lagerfeld drĂŒckt das so aus: Wein solle als erlaubte weiche Droge angesehen werden, die leicht euphorisiert.

Lagerfeld fĂŒhrt seine Theorie zum Weingenuss weiter aus: “Diese ganze Liturgie und das Tralala rund um den Wein sind ĂŒberflĂŒssig. Wein ist etwas, was man zum Essen trinkt.” Das kommt mir ungefĂ€hr so vor, als wĂŒrde man sagen, Sex ist nur zum Kindermachen.

Fußnote: Karl Lagerfeld ist Abstinenzler.

26.07.2014 um 1:43, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Wein mit doppeltem Boden

News aus der Weinwelt
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Nicht nur in den USA denkt man groß, auch in Australien. Erst Recht beim Wein. Und noch Rechter, wenn man Penfolds ist. Das Weingut feiert 170. Geburtstag, dazu gibt es einen JubilĂ€umswein namens Bin 170, ein Shiraz aus dem Jahrgang 2010 dessen Trauben aus der (leider unpassend betitelten) Parzelle 3C des Kalimna Weinbergs (Barossa Valley) stammen. Es gibt sieben Imperial-Flaschen (6 Liter), 140 Magnums und 1500 Buddeln von 0,75 l. Da wollte man das mit der 170 lieber anscheinend lieber nicht durchziehen…

Der Clou ist die Holzkassette fĂŒr den Wein, entworfen vom britischen Möbeldesigner Lord David Linley – dem Neffen der Queen, also Angehörigen des Königshauses. Die Kassette ist eine Hommage an Großbritannien, die Herkunft des Penfolds-GrĂŒnders Dr. Christopher Rawson Penfold. Allein das Öffnen der Kassette ist ein Erlebnis. An ihr befindet sich ein maßgefertigter Kompass, der durch ausgeklĂŒgelte Details und PrĂ€zisionsgravur besticht. Erst wenn ein wertvoller Jadepfeil auf die LĂ€nge und Breite-Koordinaten von Magill Estate (-34, 138) als Penfolds geistiger Heimat eingestellt wird, lassen sich die Kassetten öffnen und enthĂŒllen die darin befindliche Imperial Flasche. Weitere Merkmale umfassen ein detailgetreues Penfolds Wappen außen an der Kassette, in der arbeitsaufwĂ€ndigen Disziplin der Intarsientechnik gestaltet. Ein versteckt in die Box gebautes Geheimfach war laut Linley „eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen, die es in ein MöbelstĂŒck einzubauen galt.“ Es verbirgt eine fotographische Wanderung durch Kalimna Block 3C sowie ein Echtheitszertifikat. Die Abdeckung des Geheimfaches wird von Linley mit dem Namen des KĂ€ufers und der Flaschennummer (von eins bis sieben) versehen. Die Imperial-Kassette mit ihrer vom Holzfass inspirierten Innengestaltung enthĂ€lt auch ein Kunststoff-Hygrometer, kombiniert mit einem Bimetall-Thermometer, sowie einen maßgefertigten Ausgießer.

Und zu so einem Teil gibt es natĂŒrlich nicht nur Fotos, sondern gleich ein ganzes Making-Of-Video:

Ach ja, die Preise. Peanuts:

Imperial-Flasche: EUR 42.000,-
Magnum-Flasche: EUR 4.500,-
0,75l Flasche in der Dreier-Box: EUR 1.800,- je Flasche

01.06.2014 um 0:09, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Nachhaltig im Alentejo

News aus der Weinwelt
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Der Begriff “Nachhaltigkeit” ist zur Zeit gleichermaßen relevant wie schwammig definiert. Vor Kurzem kam eine Pressemitteilung des Wein- und Olivenölproduzent EsporĂŁo aus dem Alentejo rein, die wie ich finde zeigt auf wie vielen Ebenen man das Konzept umsetzen kann.

EsporĂŁo hat Trophy in der Kategorie „Innovative Nachhaltigkeit’’ der „European Business Awards for the Environment’’ gewonnen (dieser wurde von der portugiesischen Umweltagentur ins Leben gerufen) und ist damit der offizielle Vertreter Portugals bei der europĂ€ischen Endausscheidung im November 2014. Hier die Liste der bei EsporĂŁo initiierten Projekte:

- Nachhaltiger Weinbau, bei dem jede Art der UmweltschĂ€digung vermieden werden soll. Unter anderem Einsatz von Mulch-Techniken, Produktion von Kompost aus den AbfĂ€llen der landwirtschaftlichen AktivitĂ€ten zur BodendĂŒngung und zur Verbesserung der Bodenstruktur.
- Ein ampelographischer Weinberg mit dem Ziel rund 200 autochthone portugiesische Rebsorten zu erhalten und deren Zusammenwirken von Boden und Klimatischen VerhÀltnissen zu erforschen.
- Die Schaffung von Korridoren fĂŒr wild lebende Tiere.
- Das Verbot von Pestiziden und Fungiziden und die Steigerung von BiodiversitÀt in den Waldgebieten.
- Esporão verwendet biologisch abbaubare Materialien bei seinen GebÀuden.
- Spezielle kostenfreie Ausbildungen im Bereich der Nachhaltigkeit fĂŒr alle Mitarbeiter am Weingut.
- Eigene Weinbar und Restaurant am Weingut, wobei das servierte GemĂŒse aus den hauseigenen biologischen GĂ€rten kommt

UnabhÀngig von den Weinen finde ich das eine beeindruckende Liste. Nachahmenswerte Nachhaltigkeit.

31.05.2014 um 22:53, News aus der Weinwelt » 1 Kommentar     » Weiterlesen