Carsten Henn ist langjähriger Vinum-Mitarbeiter. Als Weinjournalist ist er zudem für den Gault Millau WeinGuide Deutschland tätig sowie Autor diverser Sachbücher zum Thema. Er studierte einen wunderbaren Sommer lang Weinbau in Australien & leitet heute nebenbei Deutschlands verrücktestes Weinprojekt - die "Deutsche Wein-Entdeckungs-Gesellschaft". Ach ja, Krimis schreibt er auch noch. Preisgekrönte. Immer inklusive Wein. Mehr Infos über ihn: www.carstensebastianhenn.de
Bei “Weinwissen für Angeber” geht es zum letzten Mal um die Astrologie und ihre herausragende Bedeutung für den Wein-Angeber. Diese Folge klärt auf, warum der ehrliche, großzügige Schütze am besten Riesling trinkt. Und warum für zähe, ausdauernde Steinböcke nur ein Gran Reserva aus der Rioja in Frage kommt..
Der Inhalt unseres Podcasts basiert übrigens auf meinem gleichnamigen Buch, das auch unter dem Titel “Henns lustige Weinschule” im Bassermann-Verlag erschienen ist. Eine völlig bierernste aber dafür weinseelige Angelegenheit.
Weinpatenschaften? Kennen wir. Da wird ein Baum “gepatet” und dafür erhält man pro Jahrgang eine oder mehrere Flaschen. Und meist wird um irgendeinen Baum noch ein Schildchen mit dem Namen des Paten gehangen. So weit, so niedlich. Doch nun gibt es eine Patenschaft mit dem gewissen Extra.
Und zwar im Norden Sardiniens. “Zwischen Bergen und Meer, ensteht derzeit das neue Weingut “La Sughera”. Gründer und Besitzer des Weinguts sind die beiden Schweizer Regula Graf und Francesco Welti, die seit 10 Jahren erfolgreich Wein im Tessin anbauen.”
Seit September 2012 sind die beiden nun Besitzer Jahrtausende altes Weinland. Nun geht es an die konkrete Umsetzung des Projekts, sprich: Land vorbereiten, Reben pflanzen (es geht um Vermentino und die Wiedererweckung alter, roter Sorten), das Hauptgebäude umbauen. Entstehen soll nämlich nicht nur ein 3-Hektar-Weingut sondern auch ein Bed & Breakfest-Angebot. Und genau das ist das gewisse Etwas. Wer aus der Schweiz, Deutschland oder Österreich ist kann “Genussaktien” zeichnen, um so eine Patenschaft für Rebstöcke zu übernehmen. Pro “Genussaktie” im Wert von 1.000 Franken (850 Euro) erhält man während 13 Jahren Übernachtungen (jeweils für 2 Personen im Doppelzimmer) und Wein aus dem “eigenen” Rebberg in einem Gegenwert von ca. 1.400 Franken. Sprich: Trinken und Schlafen dort, wo der Wein wächst. Natürlich ist das ein Lockangebot, denn wer fliegt schon nach Sardinien, um dort nur eine Nacht zu verbringen. Aber so hat man zumindest einen Grund, sich auf den Weg dorthin zu machen.
Ich mag die Welt der Champagner, dieses stetige Flirten und Knutschen der Champagner-Häuser mit den Reichen und Schönen. Soviel Extravaganz, das ist wie “Dallas” gucken – und sich ein bisschen wie “Dallas” fühlen. Oder von mir aus wie Wiener Opernball, weil: noch bedeutend mondäner.
Der Standard-Blubber von “Moët & Chandon” gehört nicht zu meinen Lieblingen, aber was die Inszenierung betrifft ist man ganz vorne. Diesmal: die Internationalen Filmfestspiele Berlin. Der Moët & Chandon Ballon war vom 7. – 13. Februar dort im Sony Center. Den Ballon gibt es seit 1993, als Moët & Chandon seinen 250. Geburtstag in Versailles mit dem Start des „Spirit of 1743“ getauften Ballons in Form eines Champagnerkorkens feierte. Das Champagner-Haus findet es übrigens schick – oder gut für das Branding – in Verbindung mit der Filmwelt gebracht zu werden. Moët ist deshalb der Offizielle Champagner der Golden Globe Awards. Und Moët & Chandon ist seit 2009 der Exklusive Champagner bei der Oscar-Verleihung. Schön fände ich es, wenn dort mal ein Film über Veuve Clicquot gewinnt – weil das Leben manchmal einfach die besten Pointen auf Lager hat.
Es ist soweit, hier ist sie, die ultimative Top-Ten der Rock-Weine! Dafür fahre ich zu meinem alten Kumpel Hagen Range in die Bierhölle, sprich: sein Zuhause. Zu einem Mann also, der mit Heavy Metal großgeworden und dessen Gaumen schmerzfrei ist. Die meisten der Rockweinflaschen sind praktische Schrauber – sehr gut, denn welcher Heavy-Metal-Fan hat schon einen Korkenzieher? Echte Schwermetaller drücken den Korken natürlich mit dem Daumen in die Flasche und sparen sich das Glas.
Noch etwas fällt direkt auf: Die meisten Weine sind rot. Merke: Rocker mögen es blutfarben.
Hagen legt jeweils die passende Mucke auf, damit wir in die richtige Stimmung für das Gesöff kommen. Alle Weine stammen von “Metal And Wine”, die ihr Sortiment durch “Nightwish”, “Amon Amarth”, “Blind Guardian” und “Il Palagio By Sting” ergänzt haben. Bei Sting kommen die Weine tatsächlich vom eigenen Weingut.
Nun aber zu unseren Wettbewerbern.
2011 AC/DC Hells Bells Sauvignon Blanc „Hells Bells“ (Marlborough / Neuseeland)
Kommt aus Marlborough in Neuseeland – da hat man sich wohl mit der Insel vertan. Die Jungs stammen schließlich aus Down Under (bis auf Sänger Brian Johnson, der in England geboren wurde). Der Wein ist grasig, sehr tropisch-fruchtig im Bouquet, am Gaumen von der Säure getragen, aber ehrlich gesagt: schnell weg. Und mir ist die Säure zu zahm, insgesamt auf gefällig gebürstet.
Hagens Urteil: „Der Abgang ist so schnell wie Angus’ Finger auf dem Griffbrett. Schlampig gerockte 12%. Dafür steht die Rockerbraut sonntags nicht auf.“
Es ist nicht immer leicht, sich als Weinbaugemeinde ins Gespräch zu bringen. Bertinoro in der Emilia Romagna, bekannt durch die „Riserva Storica dei Sangiovesi di Romagna“ hat es geschafft – zumindest was das VINUM Blog angeht. Und womit? Mit einem Kartenspiel!
Sein Name „Bacchanalia“. Das Spiel, bei dem drei bis sechs Spieler teilnehmen können, beginnt – natürlich – in Bertinoro, wo sich der Gott Bacchus mit seinem Gefolge niedergelassen hat. Jeder Spieler erstellt einen fiktiven Charakter, mit dem er versucht, das Spiel zu gewinnen und zu seiner/ihrem Liebsten zurückzukehren.
Das Spiel entstand in Kooperation mit der Winzervereinigung Consorzio Vini di Bertinoro. Gemeinsam hat man auch eine Deluxe-Edition des Spiels anfertigen lassen, in welcher zusätzlich zu den Spielkarten und einem kleinen Handbuch eine Flasche Sangiovese di Romagna Superiore Riserva aus Bertinoro enthalten ist. Bertinoro – und das finde ich wirklich mal eine schöne Anekdote – verdankt seinen Namen der Legende nach einem Ausspruch der durchreisenden römischen Kaiserin Galla Placidia. Sie soll gesagt haben der Wein des Ortes sei es wert aus Gold getrunken zu werden, wörtlich “berti in oro” – Bertinoro.
Das Spiel wurde jüngst für den deutschen Markt bei den internationalen Spieltagen SPIEL in Essen vorgestellt. Wer jetzt etwas Simples wie Mau-Mau mit Gottheiten erwartet, der wird enttäuscht – oder positiv überrascht. Die Anleitung ist etliche Seiten lang und die Spieldauer mit 2-3 Stunden angegeben, man spielt es mit 3-6 Personen.
Betrunken geht das nicht, denn man muss Szenen aus dem Leben der eigenen Figur erzählen – also erfinden. Als Satyrus vor allem Szenen voller sexueller Hemmungslosigkeit (so steht es in der Anleitung). Ein Spiel für den anspruchsvollen Swinger-Abend also. Ein wenig Wein hilft da sicher, insofern würde ich das Set mit einer Buddel „Riserva Storica dei Sangiovesi di Romagna“ empfehlen. Ich für meinen Teil bleibe bei Skat und Doppelkopf. Das kriege ich nämlich genausogut hin, wenn die Buddel halb leer ist.
HIER kann das Spiel bestellt werden. Kartenspiel mit Weinflasche kosten zusammen 29.90 Euro, wobei man sich den Sangiovese Riserva von acht verschiedenen Betrinoto Weingütern aussuchen kann.
In der neuesten VINUM ist Bordeaux einer der Schwerpunkte. Und ich muss bei dem Thema mal was loswerden: Ich kann es echt nicht mehr hören, dieses Gerede über die exorbitant teuren Bordeaux‘s. Kürzlich aß ich im herausragenden Kölner 2-Sterne-Restaurant „Le Moissonnier“ das in seiner Weinkarte (gegenüber einigen weißen Bordeaux-Tropfen) demonstrativ auf einer ganzen Seite darauf hin weist, dass zukünftig keine Weine aus dem Bordelais mehr geführt werden, weil die Preise davongerannt wären (nur auf Nachfrage würde man einige Flaschen bereithalten). Können wir mit diesem Mist bitte endlich mal aufräumen?
Ja, die großen Namen im Bordelais sind unfassbar teuer, aber das Gebiet umfasst 120.000 Hektar Anbaufläche – und ist damit so groß wie die Flächen in Deutschland (102.000) und der Schweiz (15.000) zusammen. Rund 3.000 Weingüter gibt es, die sind beileibe nicht alle überteuert. Auch und gerade im Bordeaux gibt es tolle Weine zu fairen Preisen. Man muss halt – wie überall – nur etwas suchen. Und das ist gar nicht so schwer, von einem Spitzenrestaurant kann man das sehr wohl verlangen. Rolf Bichsel gibt in der VINUM Tipps für herausragende Weine zum fairen Preis. Es muss nämlich wirklich nicht immer Latour sein…
In einigen Weinbaugebieten ist kaum zu begreifen, wer warum VDP-Mitglied (Verband Deutscher Prädikatsweingüter e.V.) ist und wer nicht. In der VINUM haben Rudi Knoll und ich einst eine Liste der Weingüter aufgestellt, die dringend hineingehören, wenn sich der Verband wirklich als Heimat der Spitzenweingüter sieht. Aufräumbedarf besteht weiterhin. In Württemberg hat man nun gleich drei Weingüter neu aufgenommen – womit der Regionalverband auf 18 Betriebe angewachsen ist. Deutschlandweit sind es 201.
Foto: Weingut Kistenmacher-Hengerer (Quelle: VDP)
Die Weingüter Beurer (Kernen-Stetten), Heid (Fellbach) und Kistenmacher-Hengerer (Heilbronn) sind jetzt Teil des elitären Kreises, und man muss tatsächlich sagen: in Württemberg ist fast jedes Weingut der absoluten Spitze Mitglied – einzig das Kleinstweingut Albrecht Schwegler und die Weinmanufaktur Untertürkheim sind (aus unterschiedlichen Gründen) nicht dabei.
Jochen Beurer aus Stetten im Remstal hat sich insbesondere mit seinen ausdrucksstarken, oft geradezu salzig-mineralischen Rieslingen einen ganz besonderen Ruf erworden. Der Weinbautechniker, Jahrgang 1973, gründete als „Garagenwinzer“ 1997 gemeinsam mit Vater Siegfried und Ehefrau Marion sein eigenes Weingut. Inzwischen hat er sich voll und ganz der Biodynamie verschrieben, arbeitet mit Hornmist-Präparaten, schneidet seine Reben nur bei abnehmendem Mond, und arbeitet im Keller komplett ohne Zuchthefen.
Obgleich Hans Hengerers Familientradition im Weinbau bis 1418 zurück reicht, gilt er mit seinem am Fuße des Heilbronner Stiftsberg gelegenen Weingut als Vertreter der neuen Winzergeneration des Anbaugebiets. Seine Stärke ist der Spätburgunder, aber auch Clevner oder Muskateller werden angebaut.
Es gibt viel zu wenig Lieder über billigen Wein. Oder nennen wir ihn doch gleich beim richtigen Namen: Fusel. Ein Abend mit Fusel kann wunderbar sein, und für viele von uns begann die Liebe zum Wein mit Fusel, und zwar mit viel davon. Bei einer guten Freundin auf dem Balkon, die ganze Nacht quatschen und eine Flasche Fusel nach der anderen köpfen, bis die Krankenschwester kommt. Jason Collett hat dem Fusel zwar kein Denkmal gesetzt, doch ihn in seinem famosen Song “I’ll bring the sun” zumindest erwähnt. Und das ist doch auch schon was.
Jason…wer? Schon klar, man kennt ihn kaum außerhalb Kanadas, den Gitarristen aus Toronto, dabei hat er bereits sechs hervorragende Solo-Alben herausgebracht, und ist Teil des kanadischen Kult-All-Star-Musikerkollektivs “Broken Social Scene”. Bei Kanada denkt unsereiner, der die ganze Welt durch’s Weinglas sieht, an Icewine. Jetzt können wir auch ein wenig an Jason Collett denken.
Gerlernt hat Collett, übrigens überzeugter Bio-Esser, einst den Schreinerberuf, heute spielt er Musik, die ebenfalls sehr handwerklich wirkt, nenn es alternativen Country, nenn es Indie Rock, gut ist es auf jeden Fall. Und manchmal – wie bei “Ill bring the sun” sogar richtige Gute-Laune-Mucke. Der Song stammt von seinem dritten Soloalbum “Idols Of Exile”(2005). Hier die Zeile, die ihm den Eintrag in dieser kleinen Reihe eingebracht hat:
You took hold of my affections
With your Bible and your sword
Your celebrity connections
I was not used to keeping score
From your fine guilded chalice I drank all your cheap red wine
It was a good place to be Judas (Judas)
Hiding pearls from the swine
I’ll bring the sun…
I’ll bring the sun to you when I come
Gerne würde ich behaupten, ich wüsste, was das bedeuten soll. Vielleicht wisst ihr es ja. Auf jeden Fall zeigt der Song, wieviel gute Laune man mit Fusel haben kann.
Bei “Weinwissen für Angeber” geht es diesmal um die Astrologie und ihre herausragende Bedeutung für den Wein-Angeber. Diese Folge klärt auf, warum klassische Weine aus dem Bordeaux zur harmoniesüchtigen Waage passen, und der geheimnisvolle Skorpion zu Tannats greifen sollte.
Der Inhalt unseres Podcasts basiert übrigens auf meinem gleichnamigen Buch, das auch unter dem Titel “Henns lustige Weinschule” im Bassermann-Verlag erschienen ist. Eine völlig bierernste aber dafür weinseelige Angelegenheit.
Das Hotel “Fürstenhaus” bietet regelmäßig Wein-Seminare – vor Kurzem eins zum ewig jungen Thema “Champagner”. Ein Gastbeitrag von Martin Sachse-Weinert.
Von Deutschlands bekanntestem Literaten Johann Wolfgang von Goethe ist der Satz überliefert: „Es ist ein großer Unterschied, ob ich lese zu Genuss und Belebung oder zur Erkenntnis und Belehrung.“ Gleiches, das kann gemutmaßt werden, hätte der bekennende Weinliebhaber sicherlich auch in Bezug auf das Trinken festgestellt – hätte er nicht die Möglichkeit, ja: das Vergnügen gehabt, an einem Erlebnis der besonderen Art teilnehmen zu dürfen: an einem Champagner-Seminar des Top-Sommeliers und „Tantris“-Gastgebers Rakhshan Zhouleh. Denn während einer Verkostung von fünf edlen Schaumweinen wurde offensichtlich, dass Belebung und Belehrung sich sehr wohl ergänzen können, dass Genuss und Erkenntnis sich durchaus gegenseitig zu steigern vermögen.
Am 27.12.2012, kurz vor Silvester und damit unmittelbar vor einer möglichen Gelegenheit, das eben erworbene Wissen gleich wieder an seine beeindruckten Freunde weitergeben zu können, fand im Hotel „Travel Charme Fürstenhaus“ in Pertisau am Achensee eine Veranstaltung statt, zu der sich in elitär-kleinem Kreise acht Gäste versammelt hatten. Die Atmosphäre im gemütlichen Weinkeller „Caveau“ sowie die unprätentiöse, kenntnisreiche Darbietung der dickwandigen Flaschen durch Rakhshan Zhouleh stellten unbestreitbar den Höhepunkt des Tages dar.
Nun ist Zhouleh ja eher durch seine Tätigkeit als Gastgeber im Münchner Sterne-Gourmet-Tempel „Tantris“ bekannt. Der dreimalige „Sommelier des Jahres“ ist dort omnipräsenter Ansprechpartner für sein Publikum: Er begrüßt, er berät, er scherzt – kurz: Er sorgt durch seine unaufdringliche Allgegenwärtigkeit dafür, dass die Gäste – die für die kulinarischen Genüsse von Chef de cuisine Hans Haas ja auch nicht wenig zahlen – nicht nur das Beste erwarten dürfen, sondern dieses auch erhalten. Dabei zeichnet Zhouleh seine Leidenschaft für die ästhetischen Dinge des Lebens aus, seien es Weine oder Zigarren, Parfums oder Gedichte. Dass ein Mensch, der so vielseitig die Schönheiten des Daseins zu präsentieren und zu repräsentieren vermag, auch prädestiniert ist, ein C » Weiterlesen