China ist Rotwein-Nation Nr.1

News aus der Weinwelt

Wer ist die grĂ¶ĂŸte Weintrinker-Nation? Frankreich, Italien, Spanien, die USA? Nein, nein, nein. China hat sie alle ĂŒberholt, Frankreich ist auf Platz 2, Italien auf der 3. Insgesamt 1.865 Milliarden Flaschen Rotwein wurden 2013 im Land der Mitte verkauft – ein Plus von 136% gegenĂŒber 2008.

In Italien sank der Rotweinumsatz dagegen um 5.8% in Frankreich sogar um 18% (Zeitraum: 2007-2013). Da blickt man schon sorgenvoll zur Grande Nation…

Rotwein gilt in China als gesund, zusĂ€tzlich ist die Farbe Rot dort enorm positiv besetzt, sie steht fĂŒr Reichtum, Macht und GlĂŒck – und ist die Farbe Chinas.

Satt 80% der Weine, welche in China getrunken werden, stammen aus dem Land. Mittlerweile ist man der fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Weinproduzent der Welt.

03.03.2014 um 14:39, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Zappa im Weinberg

News aus der Weinwelt

Wer Frank Zappas Song “Wplj” kennt, der hĂ€tte nicht dazu tangiert etwas im Weinberg nach ihm zu benennen. In diesem geht es nĂ€mlich um einen Cocktail: “The w is the white, the p is the port / The l is the lemon, the j is the juice / White port & lemon juice”. Also quasi Panscherei.

Doch nun ist der 1993 verstorbene Rockmusiker zu Ehren gekommen. Italienische Wissenschaftler haben ein Bakterium nach ihm benannt: Propionibacterium acnes type P. Zappae. Dieses haben sie in Weintrauben gefunden, und es ist ein ungewöhnliches Bakterium, denn es ist vom Menschen auf die Pflanze ĂŒbergegangen, hat also Grenzen ĂŒberschritten – so wie der Musiker Zappa. Dieser sei exzentrisch gewesen und hĂ€tte stets unerwartetes getan, genau wie das Bakterium, begrĂŒndeten die Wissenschaftler ihre Namenswahl.

Zappa ist bereits Namensgeber fĂŒr einen Mollusken, einen Fisch, eine Qualle, eine Spinnenart und einen Asteroiden: 3834 Zappafrank.

Na, darauf einen Wplj!

03.03.2014 um 14:32, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Es spÀtburgundert wieder!

News aus der Weinwelt
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Sommelier-Weltmeister Markus del Monego moderiert das Symposium.

Normalerweise schreibe ich nicht ĂŒber Symposien, weil ich hier ansonsten zu sonst nix mehr kĂ€me, aber fĂŒr ein Symposium mache ich eine Ausnahme. Zum einen findet es um die Ecke statt, nĂ€mlich im schönen Ahrtal, zum anderen dreht es sich um die fantastischste, rote Rebsorte der Welt, nĂ€mlich und natĂŒrlich den SpĂ€tburgunder. Es handelt sich um das “Internationale SpĂ€tburgunder Symposium” am 8. und 9. MĂ€rz in Bad Neuenahr.

Es gibt eine Gala mit Speisen von Sternekoch Hans-Stefan Steinheuer, eine Leistungsschau genannte Weinmesse mit 46 Betrieben, die HĂ€lfte davon aus Deutschland, aber der Höhepunkt – zumindest fĂŒr mich – ist das eigentliche Symposium mit FachkrĂ€ften, darunter KoryphĂ€en wie Professor Dr. Ulrich Fischer, Deutschland (Über den Einfluss verschiedener HerkĂŒnfte von Eichenholz auf die Sensorik von SpĂ€tburgunder Vorstellung von Forschungsergebnissen aus dem SpĂ€tburgunder Jahrgang 2011 – Vergleichsprobe von SpĂ€tburgundern aus unterschiedlichen BarriquefĂ€ssern), Caro Maurer MW (NeuseelĂ€ndische Pinot Noir Potentiale die fĂŒr den europĂ€ischen Burgunder mehr als nur Konkurrenz bedeuten) und Markus del Monego, Weltmeister der Sommelieres 1998, der das Symposium nicht nur moderiert, sondern auch eine kommentierte RaritĂ€tenprobe durchfĂŒhrt (1972 Pommard AC, 1974 Pommard AC, 1976 Pommard AC, alle Domaine LĂ©on Violland).

Diese Werbetrommel habe ich aus tiefster Überzeugung gerĂŒhrt. Also: ab ins Ahrtal! Hier noch die anwesenden GĂŒter:

Weingut J.J. Adeneuer, Ahr
Weingut Bercher, Baden
Weingut Burggarten, Ahr » Weiterlesen

27.01.2014 um 17:40, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Wine & Music: Revolverheld

Wine & Music

Vielleicht, ganz vielleicht, wird Deutschland ja doch noch ein einig Land von Weintrinkern. Zumindest gibt es Hoffnung, wenn eine junge deutsche Rockband wie “Revolverheld” aus Hamburg, die es mit ihrer letzten Single (“Das kann uns keiner nehmen”) auf Platz eins der Radio-Charts schaffte, direkt in der zweiten Zeile ihrer neuesten Single auf Wein zu sprechen kommt. Das Lied heißt: “Ich lass fĂŒr dich das Licht an”.

Die Geschichte um das Video ist tatsĂ€chlich ebenso nett wie herzerwĂ€rmend und wird vor dem Start des Songs erzĂ€hlt. David macht seinr Saskia nĂ€mlich einen Heiratsantrag. In echt. Ganz ehrlich: Mir ist es eiskalt den RĂŒcken runter gelaufen. Und ja, zum Schluss auch eine TrĂ€ne. Bin halt doch ein MĂ€dchen.

Der Song stammt vom aktuellen Album “Immer in Bewegung” & hier sind die entscheidenden Zeilen zum Nachlesen:

Wenn wir Nachts nach Hause gehen
die Lippen blau vom Rotwein
und wir uns bis vorne an der Ecke
meine große Jacke teilen
der Himmel wird schon morgenrot
doch du willst noch nicht schlafen
ich hole uns die alten RĂ€der
und wir fahren zum Hafen
Ich lass fĂŒr dich das Licht an
obwohls mir zu hell ist

Schön, dass nur von blauen Lippen und nicht von blauen ZĂ€hnen geschrieben wird, sowas macht sich in einem romantischen Lied einfach besser. Aber ich finde es klasse, dass den blauen Rotweinlippen hier mal ein Denkmal gesetzt wurde. Denn seien wir ehrlich: die haben was, die weinroten Lippen. Damit knutscht es sich doch gleich… beschwingter.

27.01.2014 um 16:32, Wine & Music » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Der mit dem Pferd trinkt

News aus der Weinwelt
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Als Weintrinker ist man nicht frei von einer gewissen Sammelleidenschaft. Zuallererst Weine, dann WeinglĂ€ser, manch einer sammelt auch Korkenzieher, und fast alle von uns haben eine SchwĂ€che fĂŒr fragile Glaskunst – auch wenn wir das, selbst unter Waterboarding-Folter, niemals so ausdrĂŒcken wĂŒrden. Wir wĂŒrden von Weinkaraffen sprechen. Werkzeug statt Zierde. Mehr Hammer als Putte. Zur professionellen und fachgerechten BelĂŒftung des Weins!

Aber schön finden wir sie schon auch.

Nun hat Riedel einen neuen Dekanter auf den Markt gebracht (von “werfen” will ich bei Glaswaren lieber nicht reden). Er heißt “Horse”. Ich ĂŒberflg den Text, las etwas von Pferdekopf und schaute mir das Bild an. Wo soll denn da der Pferekopf sein? Gut, der Wein schießt beim EinfĂŒllen empor wie ein Pferdekopf – raffiniert vom Fotografen gemacht – aber sonst? Die Karaffe hat nun wirklich nicht den Umriss eines… verdammt, das ist gar kein aufspritzender Wein, das ist… ja tatsĂ€chlich: ein Pferdekopf. Aus Glas, in 3-D. Der “Avatar” unter den Dekantern.

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Es handelt sich um einen mundgeblasenen Dekanter aus Bleikristall, stolze 60 Zentimeter hoch, Kostenpunkt 275 Euro. EingefĂŒhrt wird er 2014, weil wir nun das Jahr des Pferdes im chinesischen Kalender haben.

Eine Karaffe fĂŒr alle Weintrinker mit GestĂŒt. Eigentlich sieht es aus, als wĂŒrde ein Pferd im Wein schlabbern. Ich mag das ja nicht so. Dann bleibt weniger fĂŒr mich…

Verantwortlich fĂŒr das Design ist Maximilian J. Riedel höchstselbst, der Vorsitzende und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Riedel Glas. Als Inspiration dienten nicht nur der chinesische Kalender, sondern auch die berĂŒhmten königlichen Lipizzaner – eine seltene, aristokratische Pferderasse, die wie die Riedel-Linie selbst in Österreich zuhause ist. Die Farbgebung des Dekanters bestimmt eine einzige Linie schwarzen Kristalls, die das Glas von oben bis unten durchzieht und das Pferdeprofil im Inneren umrahmt. Auch sie ist von den Lipizzanern inspiriert: Sie werden schwarz geboren und erst im Laufe des Wachstums zu Schimmeln. Das konkave Profil des Dekanters unterstĂŒtzt außerdem den Dekantierprozess. Nach dem Eingießen des Weins kann er leicht geschĂŒttelt werden, bis eine dĂŒnne Blasenschicht entsteht. So wird dem Wein mehr Sauerstoff zugefĂŒhrt, und das Geschmacksprofil der jeweiligen Rebsorte erfĂ€hrt eine maßgebliche Verbesserung.

Fazit: Der mit dem Pferd trinkt ist gut dran. Und wenn Fury und Black Beauty mal vorbeischauen sollten, fĂŒhlen sie sich sicher auch geschmeichelt.

27.01.2014 um 16:08, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Flaschenöffnen ohne Korkenzieher

Sie brauchen: einen Schuh. Genial! Stephen von “Mirabeau en Provence” zeigt es uns allen. Das Weingut wurde 2009 in Cotignac (Provence) gegrĂŒndet, um dort einen der besten RosĂ© der Region zu produzieren.

11.01.2014 um 17:42, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Was gab’s zum Fest?

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Es scheint die Gretchenfrage fĂŒr Weingenießer zu sein: Wie hĂ€ltst du’s mit dem Weihnachtswein? Mancher wĂ€hlt den Wein passend zum Festtagsschmaus aus, ein anderer köpft eine ganz besondere Buddel fĂŒr die er schon lange einen passenden Anlass gesucht hat, und ein dritter begnĂŒgt sich nicht mit einem Wein sondern stellt gleich eine ganze Reihe edler GewĂ€chse auf den Tisch.

Bei mir gibt es zum Anstoßen mit der Familie immer einen Schampus (Apfelsaft fĂŒr die Kinder – weil’s farblich so schön passt), stets ein anderer, in diesem Jahr war’s ein Bollinger. Dann gibt es einen Wein fĂŒr den Abend, mit dem ich mich beschĂ€ftigen, den ich mit mehr als einem Schluck genießen will. Diesmal war es der beste MĂŒller-Thurgau Deutschlands, und ich bin mal so dreist zu sagen: der beste trockene MĂŒller-Thurgau den es in Deutschland je gegeben hat. Und da ich ein Faible fĂŒr die unterschĂ€tzte Sorte habe sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten etliche ĂŒber meinen Gaumen geflossen. Der Wein auf dem Tisch hieß “Liebesheirat” und ist der neuese Tropfen meiner “Deutschen Wein-Entdeckungs-Gesellschaft”. SĂ€mtliches Lob fĂŒr den Wein gebĂŒhrt jedoch Kult-Winzer Bernhard Huber aus Malterdingen (Breisgau / Baden).

Mit nur 12% ist der “Liebesheirat” ein ungemein leichter Wein und doch mit enormer Tiefe ausgestattet – was man aber erst nach einiger Zeit an der Luft so richtig merkt. Zuerst ĂŒberwĂ€ltigt einen die pure, generöse WĂŒrzigkeit des MĂŒller-Thurgau, die einen wie ein junger Hund anspringt.

Jedem Weinpaket der Gesellschaft wird stets eine ausfĂŒhrliche Beschreibung beigelegt (sowie ein extra fĂŒr den Wein kreiertes Rezept – diesmal von Fritz Zickuhr). Da ich mir da immer viele Gedanken machen und den Inhalt folglich nicht besser formulieren kann, kommt diese hier im Wortlaut. Und bevor ihr fragt: die Buddel kostet 23,80 €, der Großteil ist bereits verkauft, aber ein paar gibt es noch.

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Deutsche Wein-Entdeckungs-Gesellschaft
Entdeckung Nummer 5 – 938 Flaschen
„Liebesheirat“, Weingut Huber, Malterdingen

Der MĂŒller-Thurgau ist die romantischste Rebe der Welt. Der MĂŒller-Thurgau ist eine wahr gewordene „Liebesheirat“. Rebforscher Hermann MĂŒller aus dem schweizerischen Kanton Thurgau wollte an der Forschungsanstalt Geisenheim im Rheingau Riesling und Silvaner kreuzen – daher auch der manchmal genutzte Kreuzungsname Rivaner. Die Mutter des MĂŒller-Thurgau ist tatsĂ€chlich die Riesling-Rebe, doch sie vermĂ€hlte sich 1882 lieber mit einem Franzosen namens Madeleine Royale. Es war eine Liebesheirat – und lange Jahre hat es niemand gemerkt.

Noch immer ist MĂŒller-Thurgau weltweit gesehen die erfolgreichste NeuzĂŒchtung, doch ihr Ruf als MassentrĂ€ger, der nicht zu großen Weinen fĂ€hig ist, eilt ihr voraus. Ja selbst Persönlichkeit wird ihr abgesprochen, nur weil ihre Reben angenehm frĂŒh und in großer Menge reifen und sie keine besonderen Anforderungen an den Boden stellt. Eine genĂŒgsame, generöse Rebe. Mit Bernhard Huber wollte ich beweisen, dass sie zu mehr in der Lage ist. Denn er keltert fĂŒr mich den besten MĂŒller-Thurgau Deutschlands, und auch anderswo habe ich noch keinen besseren verkostet.

Es gibt keine alten MĂŒller-Thurgau Weinberge – doch Bernhard Huber besitzt welche.
Anfang der 60er, vielleicht sogar Ende der 50er wurde sein Ă€ltester gepflanzt, 25 Ar ist er groß. Da der Vorbesitzer – er lieferte die Trauben an die Genossenschaft – ein Winzer mit Herz und Blut ist, stehen die Reben im Drahtrahmen auf 1,50 * 1,50 Meter „heute noch drin wie die Soldaten“, so Bernhard Huber. Die Lage ist der Malterdinger Bienenberg, das Gewann heißt Giersberg. Der Boden weist hier eine relativ krĂ€ftige LĂ¶ĂŸauflage auf. Erst nach 30-40 Zentimetern kommt eine Mischung aus LĂ¶ĂŸ und Muschelkalk, darunter wird es dann steiniger. Die Parzelle ist nicht steil, sie liegt fast ganz oben auf einem Plateau. Der Ausblick von hier oben auf 310 Metern ist famos, man sieht in die Freiburger Bucht, westlich zum Kaiserstuhl und bei gutem Wetter bis ins Elsass. Das grĂ¶ĂŸte Problem des bestens belĂŒfteten Weinbergs lebt wenig entfernt in einem kleinen Wald: Rehe. Im Herbst ist der Wildverbiss am schlimmsten, da muss man schnell sein. „Es spricht sich von Generation zu Generation bei den Rehen durch, wie gut die Trauben sind“, sagt Bernhard Huber mit einem LĂ€cheln. Von allen Seiten werden die Reben ab 55-60 Grad Öchsle bespannt. Beim Nachbarn hĂ€ngt das Doppelte drin, doch da fressen sie nichts – kluge Tiere.

Bei der Traubenteilung wurden die Schultern weggeschnitten, denn diese treiben und reifen auch spĂ€ter aus, ohne sie hat man in der Regel 3-4 Öchsle mehr – diese MĂŒhe macht sich beim proletarischen MĂŒller-Thurgau trotzdem fast niemand. Auch nicht die fĂŒr den RĂŒckschnitt auf 10-16 Augen (je nach Kraft der Stöcke). „Jede Rebe muss bei alten Stöcken angesprochen werden. Wenn man schwache kurz anschneidet, bekommen sie wieder Kraft. Hier die richtige Balance bei jedem Stock zu finden, ist die grĂ¶ĂŸte Herausforderung fĂŒr den Winzer.“ SpĂ€ter werden die Geiztriebe aus der Traubenzone entfernt, damit die Stöcke Luft wĂ€hrend der BlĂŒte haben, weniger stark verrieseln und nach Regen schneller abtrocknen. » Weiterlesen

28.12.2013 um 23:04, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

FĂ€lscherwerkstatt Deutschland

News aus der Weinwelt

Sonst heißt es ja immer die Chinesen wĂŒrden alles fĂ€lschen und die Japaner alles nachmachen. Beim Thema Champagner mĂŒssen sich die Deutschen allerdings an die eigenen Nase fassen. Denn die geschĂŒtzte Ursprungsbezeichnung Champagne wird in Deutschland hĂ€ufiger als in jedem anderen Land Europas zur Aufwertung von Produkten missbraucht.

Jedes Jahr werden ĂŒber 100 MissbrauchsfĂ€lle verfolgt, obwohl alle Ursprungsbezeichnungen durch EU- und deutsches Recht, Ă€hnlich wie Marken, sehr umfassend geschĂŒtzt sind. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert minimale Mengen von Champagne in Produkten, die dennoch die Ursprungsbezeichnung Champagne im Namen fĂŒhren und damit Verbraucher tĂ€uschen: „Champagner-Schokolade“, „Champagner-Törtchen“ oder „Feinster Champagner Stollen“.

„In Deutschland wird Champagne oder die eingedeutschte Bezeichnung Champagner besonders hĂ€ufig als Zusatz oder Bestandteil von Produktnamen, Firmenbezeichnungen, Internetdomains oder sogar fĂŒr Markeneintragungen mißbraucht. Wir bearbeiten momentan ĂŒber 100 FĂ€lle, weltweit sind es sogar ĂŒber 1.200“, sagt Christian Josephi, der ReprĂ€sentant des ComitĂ© Champagne in Deutschland, und zĂ€hlt auf: „Nahezu alle Produktbereiche sind betroffen.
Neben Lebensmitteln gehen wir gegen Kosmetika, homöopathische Globuli, Zigarettenpapier und sogar Nikotinliquids fĂŒr E-Zigaretten vor, bei denen Hochwertigkeit durch Champagne im Produktnamen oder durch Hervorhebung auf der Verpackung vorgetĂ€uscht wird“.

Der Champagne-Gesamtverband – ComitĂ© Champagne mit Sitz in Épernay – vertritt die Interessen aller 15.700 Winzer und 293 HĂ€user der Champagne. Und diese sind die alleinigen Rechteinhaber der geschĂŒtzten Ursprungsbezeichnung Champagne.

Zeigt sich mal wieder was fĂŒr eine starke Marke Champagner doch ist. Selbst all jene die ihn noch nie getrunken haben sehen ihn ihm ein hochwertiges Luxusprodukt. Und wenn ein Container mit “Deluxe Schweineleberpastete” kurzzeitig neben einem mit Champagner steht, ĂŒbertrĂ€gt sich eben der Glanz. Das ist die Magie des Champagners!

27.12.2013 um 15:40, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Retsina light

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Unverhofft
 ihr wisst schon. Griechischer Wein (ist so wie das Blut der Erde). Enge Freunde sind wir bisher nicht geworden. Auch wenn ich den Genuss eines Weines vom Berg Athos jeder Beichte vorziehen wĂŒrde – und beide vermutlich gleichermaßen wirksam sind, was mein Seelenheil betrifft. Doch nun hat sich alles geĂ€ndert.

Vor Kurzem in der Leipziger Weinhandlung In Vino. Am Freitagstisch eine Runde, die Regenburger WĂŒrstchen mit sĂŒĂŸem Senf und Meerrettich futtert und dabei den ein oder anderen Wein verkostet. Einige ganz neu im Programm, einige wollen rein. Einer davon stammt – genau – aus Griechenland. Ich schaue nicht aufs Etikett, verkoste ihn einfach unvoreingenommen. Hm, der ist ungewöhnlich, denke ich. Eine deutliche HolzprĂ€gung in der Nase, aber auch weiße BlĂŒten wie Linde und Akazie, dazu eine feine Vanille, Zitrus sowie Haselnuss. Am Gaumen ĂŒberraschend leicht, auch im Abgang. Ich schaue auf das Etikett: 12% Alkohol. Und da ist noch etwas MerkwĂŒrdiges, eine Art Harzigkeit. Die Rebsorte ist Semillon – sortenrein und trocken ausgebaut eine Seltenheit. Aber es ist nicht die Charakteristik dieser Sorte, es ist
 ich lese das Etikett durch
 Akazienholz! Neun Monate wurde der Bursche in diesem superseltenen Holz ausgebaut. Noch dazu ein Wein mit so wenig Alkohol! Kann ja alles gar nicht gehen.

Geht aber.

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Nico Lazaridi heißt das 50-Hektar-Gut, beheimatet im Anbaugebiet Drama im Norden Griechenlands, und deren Semillon der im Akazienholz ausgebaut wurde “Perpetuus”. So einen Fall hatte ich schon mal von der Loire, und auch der hat mir gefallen. Er war mehr als interessant, er war klasse. Und das ist der 2012er Perpetuus auch. Er ist Retsina in gut. Oder Retsina light. Kein Wunder, dass er Griechen schmeckt, die mit Retsina groß geworden sind und sich nach einer wĂŒrzigen Holzigkeit im Wein sehnen – obwohl diese im Retsina nicht von der Akazie sondern meist von Kiefernharz stammt.

„Oft in Griechenland gewesen aber noch nie einen trinkbaren Wein gefunden“, erzĂ€hlt Markus Beer, der Inhaber der Weinhandlung. Das hat sich mit dem Perpetuus und den anderen Weinen aus diesem Gut geĂ€ndert. Ein griechischer Wein der die Entdeckung lohnt – und auch die 22,50 € je Buddel.

Deshalb heißt es ab jetzt: “Mehr Drama, Baby!” (Courtesy of Bruce Darnell).

Den besten portugiesischen Weißwein meines Lebens (weißer Port ausgenommen) habe ich danach in Leipzig ĂŒbrigens auch noch verkostet. Aus dem Douro-Tal stammt er, ein Quinta da Sequeira Grande Reserva Branco 2011. Gekeltert aus autochthonen Rebsorten und doch erinnert er an einen weißen Bordeaux. Nur dass die meisten weißen Bordeaux bei weitem nicht so gut sind.

Im Osten also viel Neues!

23.12.2013 um 18:34, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Ein Abend mit Sonnenuhr

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So schön ich Weinbegleitungen finde, so faszinierend die VermĂ€hlungen von perfekt auf die einzelnen GĂ€nge eines MenĂŒs abgestimmten Tropfen, manchmal will ich einfach nur einen Wein trinken, den ich liebe.

Und zwar nicht nur einen Schluck und nicht nur zu einer Speise, sondern den ganzen Abend. Will beobachten, wie er sich mit Zeit und Luft und Temperatur verĂ€ndert, wie er sich mit den Speisen vertrĂ€gt, wie er sich „eintrinkt“. Ich will mit ihm einen ganzen Abend verbringen – ein solcher prĂ€gt sich nĂ€mlich immer tief in mein gustatorisches GedĂ€chtnis ein. Aber die Wahl eines solchen Weines ist sogar noch schwerer, als die des idealen Begleiters zu einem einzelnen Gang. Denn er muss:

A) Ein Wein sein, den ich richtig mag
B) Ein Wein sein, von dem ich mehr als nur ein Glas trinken will
C) Nicht nur zu einem sondern zu allen GĂ€ngen gleichermaßen passen oder zumindest nicht zu einem Zickenkrieg am Gaumen fĂŒhren
C) Bezahlbar sein

Ort des Experiments: das 2-Sterne-Restaurant „Falco“ in Leipzig. Peter Maria Schnurr kocht hier modern mit Mut zu starken Kontrasten, keinerlei Angst vor SchĂ€rfe und einer ausgesprochenen Liebe zum Spiel mit Fruchtaromen. SchĂ€rfe? FruchtsĂŒĂŸe? Dazu ein Lieblingswein? Riesling! FruchtsĂŒĂŸ! Gereift! Auf der Karte fand ich viele Tropfen von J.J. PrĂŒm zu bezahlbaren Preisen – also zugegriffen. Schnell kam der gekĂŒhlte Wein. Ich weiß nicht, ob das schon als Perversion gilt, aber ich finde vom kĂŒhlen Wasser nasse Etiketten Ă€ußerst attraktiv – allerdings habe ich kein bisschen Lust auf eine entsprechende Therapie!

Und was soll ich sagen? Zuerst gab sich die Buddel etwas zugeknöpft (hatte schon bessere aus dem Jahrgang), aber mit der Zeit legte er dann richtig los, beschwingte und erfrischte den Gaumen mit seiner kristallinen Klarheit, seiner saftigen SĂŒĂŸe, seinem mineralisch-schlanken Körper, und schaffte den Spagat ĂŒber das ganze MenĂŒ. Entenleber mit Fisherman‘s Friend-Pulver? Kein Problem! Rotbarbe mit Pistaziensaft? Ein Klacks! RehrĂŒcken mit Falafel-GewĂŒrz? Immer her damit!

Vor dem Dessert war die Buddel leer. Aber das war dann auch völlig und total okay. Durch diese Weinwahl war es ein Abend im Falco und ein Abend mit der Sonnenuhr. Kann ich wirklich öfters haben!

11.12.2013 um 13:18, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen