Mit Champus auf die Rezession!

News aus der Weinwelt
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Der Wirtschaftsmotor stottert weltweit noch, aber wir lassen uns die Laune nicht verderben. Die Antwort lautet: antizyklisch Schampus saufen! Oder anders: Wir trinken uns die Situation schön! Und das geht am besten mit Luxusbrause. Deshalb hält sich der Champagne-Absatz 2013 trotz Wirtschaftsflaute auf historischem Rekordniveau.

Ein bisschen wenig Blubberwasser rinnt aber trotzdem durch die Kehlen. Der Champagne-Gesamtverband CIVC schätzt den weltweiten Absatz im Jahr 2013 auf 304 Millionen Flaschen (Vorjahr 308,8 Millionen Flaschen). Das ist ein Absatzrückgang von rund 1,5 Prozent. Aber, so der CIVC, ein zufriedenstellendes Ergebnis vor dem Hintergrund der wirtschaftlich schwierigen Situation auf wichtigen europäischen Märkten.

Der Dezember, mit fast 15 Prozent Anteil am Jahresabsatz, glich den Rückgang der Vormonate 2013 teilweise aus. Annähernd 42 Millionen Flaschen Champagne wurden im letzten Monat des Jahres versendet. Das bedeutet eine Steigerung um 8 Prozent gegenüber Dezember 2012. Was man sich übers Jahr vom Mund abgespart hat, wird also zum Jahresende reingeschüttet.

Die Champagne-Lieferungen an französische Abnehmer gingen um 2,3 Prozent zurück (167 Millionen Flaschen). Auch die Lieferungen in EU-Länder außer Frankreich sind mit 3,4 Prozent im Minus (74 Millionen Flaschen). Der Rest der Welt bestellte 3,2 Prozent mehr Champagne (63 Millionen Flaschen). Genaue Länderangaben wurden noch nicht veröffentlicht.

Der weltweite Umsatz der Häuser und Winzer der Champagne erreicht im Jahr 2013 mit 4,3 Milliarden Euro (4,37 Milliarden im Vorjahr) wieder das hohe Niveau der Vorjahre. Das ist der fünfthöchste Umsatz in der Geschichte des Champagne. Um Währungsschwankungen von Euro gegenüber Yen und Dollar bereinigt, läge der Umsatz 2013 fast auf der Höhe des historischen Rekords von 2007.

GlĂĽcklich, wer Winzer in der Champagne ist. Vor allem, wenn ihm eine der groĂźen Marken gehört…

Foto: (c) Bureau du Champagne

10.03.2014 um 21:24, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

China ist Rotwein-Nation Nr.1

News aus der Weinwelt

Wer ist die größte Weintrinker-Nation? Frankreich, Italien, Spanien, die USA? Nein, nein, nein. China hat sie alle ĂĽberholt, Frankreich ist auf Platz 2, Italien auf der 3. Insgesamt 1.865 Milliarden Flaschen Rotwein wurden 2013 im Land der Mitte verkauft – ein Plus von 136% gegenĂĽber 2008.

In Italien sank der Rotweinumsatz dagegen um 5.8% in Frankreich sogar um 18% (Zeitraum: 2007-2013). Da blickt man schon sorgenvoll zur Grande Nation…

Rotwein gilt in China als gesund, zusätzlich ist die Farbe Rot dort enorm positiv besetzt, sie steht fĂĽr Reichtum, Macht und GlĂĽck – und ist die Farbe Chinas.

Satt 80% der Weine, welche in China getrunken werden, stammen aus dem Land. Mittlerweile ist man der fünftgrößte Weinproduzent der Welt.

03.03.2014 um 14:39, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Zappa im Weinberg

News aus der Weinwelt

Wer Frank Zappas Song “Wplj” kennt, der hätte nicht dazu tangiert etwas im Weinberg nach ihm zu benennen. In diesem geht es nämlich um einen Cocktail: “The w is the white, the p is the port / The l is the lemon, the j is the juice / White port & lemon juice”. Also quasi Panscherei.

Doch nun ist der 1993 verstorbene Rockmusiker zu Ehren gekommen. Italienische Wissenschaftler haben ein Bakterium nach ihm benannt: Propionibacterium acnes type P. Zappae. Dieses haben sie in Weintrauben gefunden, und es ist ein ungewöhnliches Bakterium, denn es ist vom Menschen auf die Pflanze ĂĽbergegangen, hat also Grenzen ĂĽberschritten – so wie der Musiker Zappa. Dieser sei exzentrisch gewesen und hätte stets unerwartetes getan, genau wie das Bakterium, begrĂĽndeten die Wissenschaftler ihre Namenswahl.

Zappa ist bereits Namensgeber fĂĽr einen Mollusken, einen Fisch, eine Qualle, eine Spinnenart und einen Asteroiden: 3834 Zappafrank.

Na, darauf einen Wplj!

03.03.2014 um 14:32, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Es spätburgundert wieder!

News aus der Weinwelt
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Sommelier-Weltmeister Markus del Monego moderiert das Symposium.

Normalerweise schreibe ich nicht ĂĽber Symposien, weil ich hier ansonsten zu sonst nix mehr käme, aber fĂĽr ein Symposium mache ich eine Ausnahme. Zum einen findet es um die Ecke statt, nämlich im schönen Ahrtal, zum anderen dreht es sich um die fantastischste, rote Rebsorte der Welt, nämlich und natĂĽrlich den Spätburgunder. Es handelt sich um das “Internationale Spätburgunder Symposium” am 8. und 9. März in Bad Neuenahr.

Es gibt eine Gala mit Speisen von Sternekoch Hans-Stefan Steinheuer, eine Leistungsschau genannte Weinmesse mit 46 Betrieben, die Hälfte davon aus Deutschland, aber der Höhepunkt – zumindest fĂĽr mich – ist das eigentliche Symposium mit Fachkräften, darunter Koryphäen wie Professor Dr. Ulrich Fischer, Deutschland (Ăśber den Einfluss verschiedener HerkĂĽnfte von Eichenholz auf die Sensorik von Spätburgunder Vorstellung von Forschungsergebnissen aus dem Spätburgunder Jahrgang 2011 – Vergleichsprobe von Spätburgundern aus unterschiedlichen Barriquefässern), Caro Maurer MW (Neuseeländische Pinot Noir Potentiale die fĂĽr den europäischen Burgunder mehr als nur Konkurrenz bedeuten) und Markus del Monego, Weltmeister der Sommelieres 1998, der das Symposium nicht nur moderiert, sondern auch eine kommentierte Raritätenprobe durchfĂĽhrt (1972 Pommard AC, 1974 Pommard AC, 1976 Pommard AC, alle Domaine LĂ©on Violland).

Diese Werbetrommel habe ich aus tiefster Ăśberzeugung gerĂĽhrt. Also: ab ins Ahrtal! Hier noch die anwesenden GĂĽter:

Weingut J.J. Adeneuer, Ahr
Weingut Bercher, Baden
Weingut Burggarten, Ahr » Weiterlesen

27.01.2014 um 17:40, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Wine & Music: Revolverheld

Wine & Music

Vielleicht, ganz vielleicht, wird Deutschland ja doch noch ein einig Land von Weintrinkern. Zumindest gibt es Hoffnung, wenn eine junge deutsche Rockband wie “Revolverheld” aus Hamburg, die es mit ihrer letzten Single (“Das kann uns keiner nehmen”) auf Platz eins der Radio-Charts schaffte, direkt in der zweiten Zeile ihrer neuesten Single auf Wein zu sprechen kommt. Das Lied heiĂźt: “Ich lass fĂĽr dich das Licht an”.

Die Geschichte um das Video ist tatsächlich ebenso nett wie herzerwärmend und wird vor dem Start des Songs erzählt. David macht seinr Saskia nämlich einen Heiratsantrag. In echt. Ganz ehrlich: Mir ist es eiskalt den Rücken runter gelaufen. Und ja, zum Schluss auch eine Träne. Bin halt doch ein Mädchen.

Der Song stammt vom aktuellen Album “Immer in Bewegung” & hier sind die entscheidenden Zeilen zum Nachlesen:

Wenn wir Nachts nach Hause gehen
die Lippen blau vom Rotwein
und wir uns bis vorne an der Ecke
meine groĂźe Jacke teilen
der Himmel wird schon morgenrot
doch du willst noch nicht schlafen
ich hole uns die alten Räder
und wir fahren zum Hafen
Ich lass fĂĽr dich das Licht an
obwohls mir zu hell ist

Schön, dass nur von blauen Lippen und nicht von blauen Zähnen geschrieben wird, sowas macht sich in einem romantischen Lied einfach besser. Aber ich finde es klasse, dass den blauen Rotweinlippen hier mal ein Denkmal gesetzt wurde. Denn seien wir ehrlich: die haben was, die weinroten Lippen. Damit knutscht es sich doch gleich… beschwingter.

27.01.2014 um 16:32, Wine & Music » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Der mit dem Pferd trinkt

News aus der Weinwelt
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Als Weintrinker ist man nicht frei von einer gewissen Sammelleidenschaft. Zuallererst Weine, dann Weingläser, manch einer sammelt auch Korkenzieher, und fast alle von uns haben eine Schwäche fĂĽr fragile Glaskunst – auch wenn wir das, selbst unter Waterboarding-Folter, niemals so ausdrĂĽcken wĂĽrden. Wir wĂĽrden von Weinkaraffen sprechen. Werkzeug statt Zierde. Mehr Hammer als Putte. Zur professionellen und fachgerechten BelĂĽftung des Weins!

Aber schön finden wir sie schon auch.

Nun hat Riedel einen neuen Dekanter auf den Markt gebracht (von “werfen” will ich bei Glaswaren lieber nicht reden). Er heiĂźt “Horse”. Ich ĂĽberflg den Text, las etwas von Pferdekopf und schaute mir das Bild an. Wo soll denn da der Pferekopf sein? Gut, der Wein schieĂźt beim EinfĂĽllen empor wie ein Pferdekopf – raffiniert vom Fotografen gemacht – aber sonst? Die Karaffe hat nun wirklich nicht den Umriss eines… verdammt, das ist gar kein aufspritzender Wein, das ist… ja tatsächlich: ein Pferdekopf. Aus Glas, in 3-D. Der “Avatar” unter den Dekantern.

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Es handelt sich um einen mundgeblasenen Dekanter aus Bleikristall, stolze 60 Zentimeter hoch, Kostenpunkt 275 Euro. EingefĂĽhrt wird er 2014, weil wir nun das Jahr des Pferdes im chinesischen Kalender haben.

Eine Karaffe fĂĽr alle Weintrinker mit GestĂĽt. Eigentlich sieht es aus, als wĂĽrde ein Pferd im Wein schlabbern. Ich mag das ja nicht so. Dann bleibt weniger fĂĽr mich…

Verantwortlich für das Design ist Maximilian J. Riedel höchstselbst, der Vorsitzende und Geschäftsführer von Riedel Glas. Als Inspiration dienten nicht nur der chinesische Kalender, sondern auch die berühmten königlichen Lipizzaner – eine seltene, aristokratische Pferderasse, die wie die Riedel-Linie selbst in Österreich zuhause ist. Die Farbgebung des Dekanters bestimmt eine einzige Linie schwarzen Kristalls, die das Glas von oben bis unten durchzieht und das Pferdeprofil im Inneren umrahmt. Auch sie ist von den Lipizzanern inspiriert: Sie werden schwarz geboren und erst im Laufe des Wachstums zu Schimmeln. Das konkave Profil des Dekanters unterstützt außerdem den Dekantierprozess. Nach dem Eingießen des Weins kann er leicht geschüttelt werden, bis eine dünne Blasenschicht entsteht. So wird dem Wein mehr Sauerstoff zugeführt, und das Geschmacksprofil der jeweiligen Rebsorte erfährt eine maßgebliche Verbesserung.

Fazit: Der mit dem Pferd trinkt ist gut dran. Und wenn Fury und Black Beauty mal vorbeischauen sollten, fĂĽhlen sie sich sicher auch geschmeichelt.

27.01.2014 um 16:08, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Flaschenöffnen ohne Korkenzieher

Sie brauchen: einen Schuh. Genial! Stephen von “Mirabeau en Provence” zeigt es uns allen. Das Weingut wurde 2009 in Cotignac (Provence) gegrĂĽndet, um dort einen der besten RosĂ© der Region zu produzieren.

11.01.2014 um 17:42, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Was gab’s zum Fest?

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Es scheint die Gretchenfrage fĂĽr WeingenieĂźer zu sein: Wie hältst du’s mit dem Weihnachtswein? Mancher wählt den Wein passend zum Festtagsschmaus aus, ein anderer köpft eine ganz besondere Buddel fĂĽr die er schon lange einen passenden Anlass gesucht hat, und ein dritter begnĂĽgt sich nicht mit einem Wein sondern stellt gleich eine ganze Reihe edler Gewächse auf den Tisch.

Bei mir gibt es zum AnstoĂźen mit der Familie immer einen Schampus (Apfelsaft fĂĽr die Kinder – weil’s farblich so schön passt), stets ein anderer, in diesem Jahr war’s ein Bollinger. Dann gibt es einen Wein fĂĽr den Abend, mit dem ich mich beschäftigen, den ich mit mehr als einem Schluck genieĂźen will. Diesmal war es der beste MĂĽller-Thurgau Deutschlands, und ich bin mal so dreist zu sagen: der beste trockene MĂĽller-Thurgau den es in Deutschland je gegeben hat. Und da ich ein Faible fĂĽr die unterschätzte Sorte habe sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten etliche ĂĽber meinen Gaumen geflossen. Der Wein auf dem Tisch hieĂź “Liebesheirat” und ist der neuese Tropfen meiner “Deutschen Wein-Entdeckungs-Gesellschaft”. Sämtliches Lob fĂĽr den Wein gebĂĽhrt jedoch Kult-Winzer Bernhard Huber aus Malterdingen (Breisgau / Baden).

Mit nur 12% ist der “Liebesheirat” ein ungemein leichter Wein und doch mit enormer Tiefe ausgestattet – was man aber erst nach einiger Zeit an der Luft so richtig merkt. Zuerst ĂĽberwältigt einen die pure, generöse WĂĽrzigkeit des MĂĽller-Thurgau, die einen wie ein junger Hund anspringt.

Jedem Weinpaket der Gesellschaft wird stets eine ausfĂĽhrliche Beschreibung beigelegt (sowie ein extra fĂĽr den Wein kreiertes Rezept – diesmal von Fritz Zickuhr). Da ich mir da immer viele Gedanken machen und den Inhalt folglich nicht besser formulieren kann, kommt diese hier im Wortlaut. Und bevor ihr fragt: die Buddel kostet 23,80 €, der GroĂźteil ist bereits verkauft, aber ein paar gibt es noch.

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Deutsche Wein-Entdeckungs-Gesellschaft
Entdeckung Nummer 5 – 938 Flaschen
„Liebesheirat“, Weingut Huber, Malterdingen

Der Müller-Thurgau ist die romantischste Rebe der Welt. Der Müller-Thurgau ist eine wahr gewordene „Liebesheirat“. Rebforscher Hermann Müller aus dem schweizerischen Kanton Thurgau wollte an der Forschungsanstalt Geisenheim im Rheingau Riesling und Silvaner kreuzen – daher auch der manchmal genutzte Kreuzungsname Rivaner. Die Mutter des Müller-Thurgau ist tatsächlich die Riesling-Rebe, doch sie vermählte sich 1882 lieber mit einem Franzosen namens Madeleine Royale. Es war eine Liebesheirat – und lange Jahre hat es niemand gemerkt.

Noch immer ist Müller-Thurgau weltweit gesehen die erfolgreichste Neuzüchtung, doch ihr Ruf als Massenträger, der nicht zu großen Weinen fähig ist, eilt ihr voraus. Ja selbst Persönlichkeit wird ihr abgesprochen, nur weil ihre Reben angenehm früh und in großer Menge reifen und sie keine besonderen Anforderungen an den Boden stellt. Eine genügsame, generöse Rebe. Mit Bernhard Huber wollte ich beweisen, dass sie zu mehr in der Lage ist. Denn er keltert für mich den besten Müller-Thurgau Deutschlands, und auch anderswo habe ich noch keinen besseren verkostet.

Es gibt keine alten Müller-Thurgau Weinberge – doch Bernhard Huber besitzt welche.
Anfang der 60er, vielleicht sogar Ende der 50er wurde sein ältester gepflanzt, 25 Ar ist er groĂź. Da der Vorbesitzer – er lieferte die Trauben an die Genossenschaft – ein Winzer mit Herz und Blut ist, stehen die Reben im Drahtrahmen auf 1,50 * 1,50 Meter „heute noch drin wie die Soldaten“, so Bernhard Huber. Die Lage ist der Malterdinger Bienenberg, das Gewann heiĂźt Giersberg. Der Boden weist hier eine relativ kräftige Lößauflage auf. Erst nach 30-40 Zentimetern kommt eine Mischung aus Löß und Muschelkalk, darunter wird es dann steiniger. Die Parzelle ist nicht steil, sie liegt fast ganz oben auf einem Plateau. Der Ausblick von hier oben auf 310 Metern ist famos, man sieht in die Freiburger Bucht, westlich zum Kaiserstuhl und bei gutem Wetter bis ins Elsass. Das größte Problem des bestens belĂĽfteten Weinbergs lebt wenig entfernt in einem kleinen Wald: Rehe. Im Herbst ist der Wildverbiss am schlimmsten, da muss man schnell sein. „Es spricht sich von Generation zu Generation bei den Rehen durch, wie gut die Trauben sind“, sagt Bernhard Huber mit einem Lächeln. Von allen Seiten werden die Reben ab 55-60 Grad Ă–chsle bespannt. Beim Nachbarn hängt das Doppelte drin, doch da fressen sie nichts – kluge Tiere.

Bei der Traubenteilung wurden die Schultern weggeschnitten, denn diese treiben und reifen auch später aus, ohne sie hat man in der Regel 3-4 Ă–chsle mehr – diese MĂĽhe macht sich beim proletarischen MĂĽller-Thurgau trotzdem fast niemand. Auch nicht die fĂĽr den RĂĽckschnitt auf 10-16 Augen (je nach Kraft der Stöcke). „Jede Rebe muss bei alten Stöcken angesprochen werden. Wenn man schwache kurz anschneidet, bekommen sie wieder Kraft. Hier die richtige Balance bei jedem Stock zu finden, ist die größte Herausforderung fĂĽr den Winzer.“ Später werden die Geiztriebe aus der Traubenzone entfernt, damit die Stöcke Luft während der BlĂĽte haben, weniger stark verrieseln und nach Regen schneller abtrocknen. » Weiterlesen

28.12.2013 um 23:04, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Fälscherwerkstatt Deutschland

News aus der Weinwelt

Sonst heißt es ja immer die Chinesen würden alles fälschen und die Japaner alles nachmachen. Beim Thema Champagner müssen sich die Deutschen allerdings an die eigenen Nase fassen. Denn die geschützte Ursprungsbezeichnung Champagne wird in Deutschland häufiger als in jedem anderen Land Europas zur Aufwertung von Produkten missbraucht.

Jedes Jahr werden über 100 Missbrauchsfälle verfolgt, obwohl alle Ursprungsbezeichnungen durch EU- und deutsches Recht, ähnlich wie Marken, sehr umfassend geschützt sind. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert minimale Mengen von Champagne in Produkten, die dennoch die Ursprungsbezeichnung Champagne im Namen führen und damit Verbraucher täuschen: „Champagner-Schokolade“, „Champagner-Törtchen“ oder „Feinster Champagner Stollen“.

„In Deutschland wird Champagne oder die eingedeutschte Bezeichnung Champagner besonders häufig als Zusatz oder Bestandteil von Produktnamen, Firmenbezeichnungen, Internetdomains oder sogar für Markeneintragungen mißbraucht. Wir bearbeiten momentan über 100 Fälle, weltweit sind es sogar über 1.200“, sagt Christian Josephi, der Repräsentant des Comité Champagne in Deutschland, und zählt auf: „Nahezu alle Produktbereiche sind betroffen.
Neben Lebensmitteln gehen wir gegen Kosmetika, homöopathische Globuli, Zigarettenpapier und sogar Nikotinliquids für E-Zigaretten vor, bei denen Hochwertigkeit durch Champagne im Produktnamen oder durch Hervorhebung auf der Verpackung vorgetäuscht wird“.

Der Champagne-Gesamtverband – ComitĂ© Champagne mit Sitz in Épernay – vertritt die Interessen aller 15.700 Winzer und 293 Häuser der Champagne. Und diese sind die alleinigen Rechteinhaber der geschĂĽtzten Ursprungsbezeichnung Champagne.

Zeigt sich mal wieder was fĂĽr eine starke Marke Champagner doch ist. Selbst all jene die ihn noch nie getrunken haben sehen ihn ihm ein hochwertiges Luxusprodukt. Und wenn ein Container mit “Deluxe Schweineleberpastete” kurzzeitig neben einem mit Champagner steht, ĂĽberträgt sich eben der Glanz. Das ist die Magie des Champagners!

27.12.2013 um 15:40, News aus der Weinwelt » Keine Kommentare     » Weiterlesen

Retsina light

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Unverhofft… ihr wisst schon. Griechischer Wein (ist so wie das Blut der Erde). Enge Freunde sind wir bisher nicht geworden. Auch wenn ich den Genuss eines Weines vom Berg Athos jeder Beichte vorziehen würde – und beide vermutlich gleichermaßen wirksam sind, was mein Seelenheil betrifft. Doch nun hat sich alles geändert.

Vor Kurzem in der Leipziger Weinhandlung In Vino. Am Freitagstisch eine Runde, die Regenburger WĂĽrstchen mit sĂĽĂźem Senf und Meerrettich futtert und dabei den ein oder anderen Wein verkostet. Einige ganz neu im Programm, einige wollen rein. Einer davon stammt – genau – aus Griechenland. Ich schaue nicht aufs Etikett, verkoste ihn einfach unvoreingenommen. Hm, der ist ungewöhnlich, denke ich. Eine deutliche Holzprägung in der Nase, aber auch weiĂźe BlĂĽten wie Linde und Akazie, dazu eine feine Vanille, Zitrus sowie Haselnuss. Am Gaumen ĂĽberraschend leicht, auch im Abgang. Ich schaue auf das Etikett: 12% Alkohol. Und da ist noch etwas MerkwĂĽrdiges, eine Art Harzigkeit. Die Rebsorte ist Semillon – sortenrein und trocken ausgebaut eine Seltenheit. Aber es ist nicht die Charakteristik dieser Sorte, es ist… ich lese das Etikett durch… Akazienholz! Neun Monate wurde der Bursche in diesem superseltenen Holz ausgebaut. Noch dazu ein Wein mit so wenig Alkohol! Kann ja alles gar nicht gehen.

Geht aber.

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Nico Lazaridi heiĂźt das 50-Hektar-Gut, beheimatet im Anbaugebiet Drama im Norden Griechenlands, und deren Semillon der im Akazienholz ausgebaut wurde “Perpetuus”. So einen Fall hatte ich schon mal von der Loire, und auch der hat mir gefallen. Er war mehr als interessant, er war klasse. Und das ist der 2012er Perpetuus auch. Er ist Retsina in gut. Oder Retsina light. Kein Wunder, dass er Griechen schmeckt, die mit Retsina groĂź geworden sind und sich nach einer wĂĽrzigen Holzigkeit im Wein sehnen – obwohl diese im Retsina nicht von der Akazie sondern meist von Kiefernharz stammt.

„Oft in Griechenland gewesen aber noch nie einen trinkbaren Wein gefunden“, erzählt Markus Beer, der Inhaber der Weinhandlung. Das hat sich mit dem Perpetuus und den anderen Weinen aus diesem Gut geändert. Ein griechischer Wein der die Entdeckung lohnt – und auch die 22,50 € je Buddel.

Deshalb heiĂźt es ab jetzt: “Mehr Drama, Baby!” (Courtesy of Bruce Darnell).

Den besten portugiesischen WeiĂźwein meines Lebens (weiĂźer Port ausgenommen) habe ich danach in Leipzig ĂĽbrigens auch noch verkostet. Aus dem Douro-Tal stammt er, ein Quinta da Sequeira Grande Reserva Branco 2011. Gekeltert aus autochthonen Rebsorten und doch erinnert er an einen weiĂźen Bordeaux. Nur dass die meisten weiĂźen Bordeaux bei weitem nicht so gut sind.

Im Osten also viel Neues!

23.12.2013 um 18:34, Aus dem Leben eines Weingeniessers » Keine Kommentare     » Weiterlesen