Weinrallye #51: Domina – Die Herrin Frankens

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Perini-Weinbau hat zur Weinrallye #51 mit dem Thema “Domina” eingeladen. Prima Thema, unterschätzte Rebsorte, deshalb hier ein exklusiver Abdruck des Domina-Tipps aus meinem im Emons-Verlag erschienenen Buch “111 deutsche Weine, die man getrunken haben muss”:

Weingut A. & E. Rippstein
Domina Barrique „S“ trocken

Keine Rebsorte ist mit ihrem Namen wohl so gestraft wie die Domina. Dabei bezeichnete „Domina“ ursprĂĽnglich die beherrschende Rolle der Ehefrau im altrömischen Haushalt – heute verbinden viele etwas ganz anderes mit dem Begriff. Fränkische Winzer vor allem die Rotwein-Herrin ihres Anbaugebiets. In der fränkischen Rotwein-Statistik thront die neu-autochthone Rebsorte Domina noch vor dem Spätburgunder auf Platz 1. Insgesamt steht sie in Deutschland auf rund 400 Hektar – imposante 350 davon finden sich in Franken.

1927 wurde sie am Institut für Rebezüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen durch Peter Morio (1887-1960) aus Portugieser und Spätburgunder gekreuzt. Fast jeder fränkische Betriebe hat heute auch etwas Domina stehen. Es gilt der Grundsatz: wer gerne Silvaner trinkt, der trinkt auch gerne Domina. Wobei das mehr mit Lokalpatriotismus als mit Aromatik zu tun hat.

Es könnte allerdings auch an den kulinarischen Vorlieben der Franken liegen, denn Domina passt ideal zu Wildgerichte mit kräftiger roter, dunkler Sauce, zum Beispiel Reh aus dem Steigerwald – oder zu mariniertem Wildschweinschinken in Himbeer-Walnussöl, den es in der Heckenstube des Weingutes A. & E. Rippstein gibt (April-September geöffnet). Deren Domina „S“ ist eine unfiltrierte Schöne, die direkt auf den Punkt kommt, nichts ihrer rauen Art ist durch Restzucker geschönt, stattdessen fleischig mit viel Kraft, herzhafter Struktur und Aromen von Zwetschgen und Bleistiftmine (die leckere Art…), endet sehr trocken wie Sauerkirschsaft. Muss auf der Flasche reifen, dann findet er zu sich. Begeisternd, was die Domina leisten kann. Ein wirklich ernsthafter Rotwein.
Und Gott sei Dank hat Mathias Rippstein die Flaschen nicht in ein Lederkorsett gesteckt, wie es eine Genossenschaft vor einiger Zeit getan hat…

Bei einem Damenkränzchen kann man ihn dennoch nicht auf den Tisch stellen. Nicht nur wegen dem Namen, sondern wegen seiner in der Jugend schroffen Art. Ein Wein wie Wildwasserrafting – und dabei sehr fair kalkuliert („S“ ist die Spitzenlinie des Hauses).

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