Bad News für Deutschlands autochthone Reben

News aus der Weinwelt

Im Vinum-Blog berichtete ich vor Kurzem, dass der Abschlussbericht des Projekts zur Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland nicht veröffentlich werden soll – stattdessen nur ein Kurzbericht, sowie die Datenbank ohne Analysen, Ergebnisse und Schlussfolgerungen, sowie ohne das 35-seitige Strategiepapier mit Verbesserungsvorschlägen für eine nachhaltige Erhaltung der rebengenetischen Ressourcen. Ich bat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) um eine Stellungnahme. Diese erreichte uns am 11. Februar. Hier ist sie im vollen Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Henn,

wie in der vorangegangenen Mail bedanken wir uns für Ihre Anfrage vom 31.01.2011. Inzwischen wurde der Kurzbericht auf der BLE-Homepage veröffentlicht. Zusammenfassend können wir Ihnen zu dem Vorgang folgendes mitteilen:

Daten aus der Rebenerfassung werden im Internet veröffentlicht

Der Internetblog vom 31. Januar 2011 unter dem Titel „Arbeit über Deutschlands autochthone Reben wird weggesperrt“ der Zeitschrift „Vinum“ spiegelt den Sachverhalt nur teilweise korrekt wider. Die Daten aus der Rebenerfassung werden als zentrales Ergebnis des Projekts „Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland“ in das Nationale Inventar Pflanzengenetischer Ressourcen PGRDEU (http://pgrdeu.genres.de/) übernommen. Zurzeit wird diese Internetplattform allerdings grundlegend überarbeitet und den Erfordernissen an eine moderne Datenbank angepasst. Folglich können momentan die Daten noch nicht eingesehen werden. Bis Ende 2011 soll die Neuauflage der PGRDEU vorliegen. Damit stünden dann auch der Öffentlichkeit die wertvollen Erhebungsdaten für die Weinbauforschung in Deutschland aus diesem Projekt zur Verfügung.

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Seit dem 03. Februar 2011 sind auf der BLE-Homepage (www.ble.de, in der Rubrik „Forschungsförderung / Biologische Vielfalt“ unter dem Stichwort „Reben“) weitere Informationen sowie die Kurzfassung zu diesem Projekt zu finden.

Der Abschlussbericht liegt dem zuständigen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und dem Julius Kühn-Institut (JKI), Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof, vor und wird – wie vorgesehen – bei der Entwicklung einer Strategie zum Erhalt rebengenetischen Ressourcen in Deutschland genutzt.

In der vorliegenden Form wird der Abschlussbericht allerdings nicht veröffentlicht, weil er trotz mehrfacher Intervention durch uns (BLE) umfangreiche persönliche Betrachtungen, Wünsche sowie kritische Stellungnahmen zur Rebenforschung im Allgemeinen und der Ressortforschung im Speziellen enthält und miteinander vermischt. Dies war aber nicht Gegenstand des Forschungsauftrages.

Selbstverständlich kann Andreas Jung sein persönliches Wissen über die kulturhistorische Entwicklung und Bedeutung des Rebenanbaus in Deutschland oder seine Kritik an der Rebenforschung in geeigneter Form publizieren. Darauf haben wir ihn bereits in der Vergangenheit mehrfach hingewiesen. Vertragsgemäß verfügt er aber nicht über die Nutzungsrechte an den Forschungsergebnissen.

Für weitere Rückfragen stehen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Referat 514 Agrarforschung
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn

BLE-Pressestelle
(0228 / 6845 – 3080 und E-Mail: presse@ble.de)

Mit anderen Worten: Genau wie von mir berichtet, werden die reinen Daten und ein Kurzbericht veröffentlicht. Der mit kritischen Anmerkungenen versehene Abschlussbericht bleibt jedoch unter Verschluss. Wenn das BLE den Bericht schon nicht in Gänze in Printform veröffentlicht, sollten sie ihn meiner Meinung nach zumindest komplett ins Netz stellen (gerne übernehme ich das hier im Vinum-Blog!) oder Andreas Jung die Erlaubnis zur Publikation geben. Dann könnte sich jeder selbst eine Meinung bilden.

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Kommentare

[...] Das hat man umgehend getan & hier ist die Antwort. [...]

von Andreas Jung

Der Berich enthält neben der reinen Ergebnisdarstellung,(über 100 Seiten), dem method., histor..und tech- nischen Teil auch ein Kapitel über die Ursachen des Aussterbens von Rebsorten und damit zwangsläufig einige Passagen über die Verantwortung der staatlichen Institutionen, die seit der Gründung der Reichsreben-züchtung mit der Erhaltung des weinkulturellen Erbes betraut sind und zusammen mit der Politik die Reduktion von 650 autochthonen Rebsorten auf heute 26 züchterisch bearbeitete, klassischen Sorten zu verantworten haben. Wenn man 88 ausgestorbene Sorten findet, von denen ein beträchtlicher Teil gar nicht existieren dürfte, weil man die historischen Sortenbeschreibungen für Synonyme heute noch gängiger Sorten erklärt hat, dann sind das bisher unbekannte Gründe, die erheblich zum Aussterben beigetragen haben, Wenn man über Defizite bei der Sortenerhaltung spricht, spricht man zwangsläufig über Institutionen, die Sorten erhalten, aber offenbar nicht kritisiert werden wollen.

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