Seit meinem Weinbaustudium in Australien bin ich ein Fan der Weine von Down Under, und damit auch von Penfolds, der Wein-Ikone des Kontinents schlechthin. Als die erste weltweite Webcast-Verkostung der “Penfolds 2010 Icon & Luxury Release” anstand, bin ich selbstverständlich hin.
Gesendet wurde nach China, Niederlande, Hong Kong, Singapur, Schweden, Schweiz, Taiwan, Thailand, Vereinigte Arabische Emirate, Großbritannien – und nach Deutschland, genauer gesagt: nach Köln. Chief-Winemaker Peter Gago (Chief Winemaker) und Steve Lienert (Senior Winemaker – Rotwein)  beschrieben sieben Tropfen in Australien, parallel wurde in Köln vor einer Leinwand verkostet – Fragen waren per Internet möglich.
![]() Foto: Sieht aus wie Public Viewing – ist aber Webcast-Verkosten. |
Der „Penfolds 2010 Icon & Luxury Release“ beinhaltet folgende Weine:
Penfolds Icon Wines
- 2005 Grange Shiraz (300 €)
- 2007 Yattarna Chardonnay (70 €)
Penfolds Luxury Range
- 2006 St. Henri Shiraz (70 €; in über 50 Jahre alten großen Holzfässern auusgebaut)
- 2007 Bin 707 Cabernet Sauvignon (130 €)
- 2007 RWT Shiraz (100 €; ausgebaut in französischen Barriques)
- 2007 Magill Estate Shiraz (70 €; einziger Spitzenwein des Hauses von einer Einzellage)
- 2008 Reserve Bin 08A Chardonnay (Nicht in Deutschland erhältlich)
Durch die Bank beeindruckte bei den Rotwen die dichte, samtige extrem reine Frucht, und die spürbare Suche nach Perfektion durch Penfolds. Viele Fans trinken sie gerne jung – ich finde, sie entwickeln erst mit den Jahren wirkliche Persönlichkeit. Der 2007er Jahrgang war schwierig in Australien, was man den entsprechenden Weinen anmerkte, wobei der BIN 707 für das Jahr erstaunlich geriet.
![]() Foto: Vorne links schlürfe ich, na was? Natürlich den Grange! Man gönnt sich ja sonst nichts… |
Die eigentliche Überraschung aber waren die Chardonnays. Galt der von Penfolds als weißer Grange titulierte Yattarna vor Jahren noch als fette, ungelenke Schnecke, so ist der 2007er fein, mit ziselierter Säure und perfekter Balance. Der im Gegensatz zum Yattarna spontanvergorene 2008er Reserve Bin 08A Chardonnay ist wollüstiger und wilder, und erinnert an einen Meursault. Beides sind fraglos große Chardonnay und mit 12,5% (Yattarna) sowie 13% (Bin 08A) auch angemessen im Alkohol. Das Problem: beide Weine werden niemals auf den deutschen Markt kommen. Durch den Boom auf deutsche Weißweine gibt es einfach zu wenig Nachfrage. Meine Meinung dazu: eine Schande! Gerade der Bin o8A würde für Furore bei aufgeschlossenen Burgunderfans sorgen,
Foto: Die zwei “Icon-Wines” von Penfolds. |
Der großartigste Wein? Der 2005er Grange (von dem es für den deutschen wie den schweizer markt jeweils rund 1.000 Flaschen gibt). Er ist sicher nicht so fantastisch wie der 2004er, dafür aber klassischer. Ein balsamisches Wunderwerk, in der Stilistik einmalig, in seiner Schönheit am ehesten an klassische Riojas erinnernd, doch mit mehr Schmelz und samtigerer Struktur. Kaufempfehlung? Huh, bei den Preisen schwierig. Der ebenfalls präsentierte, kleine 2006er Chardonnay Bin 311 zeigt zu einem angemessenen Preis (30 €), wohin die Chardonnay-Reise bei Penfolds geht. Und auch der als „Baby-Grange“ bekannte 2006er Bin 389 Cabernet Shiraz (er reift in alten Grange-Fässern) kann für seine 40 € wirklich überzeugen.
Zum Schluss noch vier Neuigkeiten:
NEWS 1: Penfolds wird vom 2010er Jahrgang einen neuen Spitzen-Cabernet-Sauvignon herausbringen, der im Gegensatz zum BIN 707 ausschließlich in französischen Barriques ausgebaut werden wird, und dessen Trauben nur aus einer Region stammen.
NEWS 2: Peter Gagos Aussage zum 2010er Jahrgang, der in Australien gerade gelesen wurde: „Der Jahrzehntjahrgang der 00er Jahre – auch wenn er rein kalendarisch nicht mehr dazugehört.“
NEWS 3: Penfolds ist bereits Vorreiter in Sachen Drehverschluss. Selbst absolute Spitzenweine können damit geordert werden. Nur der Grange nicht. Bisher. Jetzt denkt man über einen Glasverschluss nach.
NEWS 4: Die alle fünf Jahre neu aufgelegte Penfolds-Bibel „The Rewards Of Patience“, welche detailliert Infos zu allen Jahrgängen und Weinen des Hauses gibt, liegt nun auch als kostenloses App für das IPhone vor.
Ebenfalls bei der Probe anwesend waren unter anderem die Blogger Weinkaiser und Thomas Günther mit seinen “Weinverkostungen” (ein allgemeiner Artikel zum Event und einmal seine Weinverkostungsnotizen).
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